Die "Ballerinas" kicken

7. Juli 2006, 13:38
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Wiens lesbischer Fußballclub sieht Turnierteilnahmen durchaus auch als politische Aufgabe

Wien - In Wien tanzen die "Ballerinas" nicht, sie kicken: Der gleichnamige Verein ist der einzig lesbische Fußballverein Österreichs. Unter dem Dach des schwullesbischen Sportclubs "Aufschlag" treten die Spielerinnen im orangfarbenen Trikot regelmäßig bei Veranstaltungen im Wiener Raum an, haben aber auch schon auf internationalem Parkett reüssiert.

2004 erkämpften sich die Ballerinas in München bei den Eurogames für Homosexuelle den vorletzten Platz. Die Eurogames-Neuauflage 2007 in Antwerpen sei auch das nächste großes Ziel des Vereins, so Torhüterin Ulli Seiss im APA-Gespräch.

Spiel im Vordergrund

Die rund 20 Kickerinnen, die regelmäßig in der Paho-Halle in Favoriten trainieren, kommen dabei aus verschiedenen gesellschaftlichen Ecken und Altersklassen. Die sexuelle Orientierung führe die Spielerinnen zusammen - dann stehe allerdings das Spiel im Vordergrund. In diesem "geschützten Rahmen" könne man ohne den Druck der Outingfrage aufspielen, betonte Seiss.

Die Teilnahme an nicht-lesbischen Turnieren sehe man deshalb durchaus auch als politische Aufgabe, bestätigte die Torhüterin. Die Sichtbarkeit von Homosexuellen in der Gesellschaft sei wichtig. Probleme mit Spielerinnen anderer Vereine habe man bisher noch nie gehabt, "wenn da was kommt, dann ist es von deren Fans".

Keine Teilnahme beim Ligasystem

Vor der regelmäßigen Teilnahme am Ligasystem scheut man bisher zurück. Schließlich lautet das Vereinsmotto "Frauen mit Spaß am Spiel" und den wolle man sich nicht durch zu große Institutionalisierung nehmen lassen. So käme das Team bisher ohne fixe Trainerin aus - diese Rolle wird bei Turnieren flexibel von einer Spielerin übernommen.

Die Wurzeln der Gruppe reichen zurück bis Ende der neunziger Jahre, beim Verein "Aufschlag" sind die Ballerinas allerdings erst seit 2004. Durch die Dachorganisation erhält man logistische Unterstützung. Außerdem wird der gesamte Verein bei Turnieren als Hilfskraft eingespannt.

Dachverband

Neben den Ballerinas finden sich beim seit 1996 bestehenden "Aufschlag" drei Volleyballteams, Ringer, Badmintonspieler und die Schwimmgruppe "Die Kraulquappen". Insgesamt sind knapp 150 SportlerInnen im Verein engagiert, berichtete Präsident Wieland Mühlbacher. Weshalb sich neben den lesbischen Fußballerinnen nicht auch eine schwule Kickermannschaft bildet, sei ihm selbst ein Rätsel: "Man weiß es nicht." Vielleicht sei das Klischee von der homophoben Männerbastion Fußball doch zu stark. (APA)

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