Hochwasser-Katastrophe nach einem Jahr noch nicht überwunden

9. Juli 2006, 18:46
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Millionenschäden in Tirol, Salzburg, Oberösterreich und Vorarlberg

Linz/Innsbruck/Salzburg/Bregenz - Vor einem Jahr standen weite Teile Österreichs unter Wasser. Vor allem im Westen wurden durch die Katastrophe Millionenschäden verursacht. Die Auswirkungen sind in den betroffenen Gemeinden bis heute spürbar.

Im Bundesland Salzburg war vor allem Mittersill betroffen. Sogar das Krankenhaus musste evakuiert werden. Die Katastrophe hat einen Schaden von insgesamt rund 66,1 Millionen Euro verursacht. Rund 30 Millionen davon betrafen Liegenschaften und Vermögen von Privatpersonen. Die rund 1.000 beim Land gemeldeten Schadensfälle sind inzwischen im Wesentlichen abgerechnet worden.

Schäden

Neben Privatpersonen erlitten die ÖBB einen Schaden von acht bis zehn Mio. Euro. An Landesstraßen, Landeshochbauten, Wildbach- und Lawinenverbauungen sowie weiteren Gewässern entstanden Schäden von rund 18,8 Mio. Euro, an Gemeindestraßen wurden Reparaturen um rund eine Mio. Euro notwendig. Weitere 6,3 Millionen Euro müssen aufgewendet werden, um Gebäude, Gewässer bzw. Wildbach- und Lawinenverbauungen in Gemeindebesitz wieder in Stand zu setzen.

Heuer im März wurde mit dem Bau des neuen Schutzprojektes für Mittersill begonnen. Dabei werden auf einer Länge von rund zwei Kilometern das Flussbett der Salzach verbreitert sowie die Schutzdämme wiederhergestellt. Insgesamt wird der Hochwasserschutz für Mittersill rund zehn Millionen Euro kosten. Noch immer nicht klar ist, ob die Pinzgaubahn jemals wieder nach Krimml fahren wird, weil das Unwetter die Trasse auf einem langen Abschnitt zerstört hatte.

Die durch die Hochwasserkatastrophe 2005 in Tirol verursachten Schäden belaufen sich nach Angaben des Landes auf insgesamt 350 Millionen Euro. Die Privat-Schadenssumme werde sich nach Abklärung einiger großer, noch offener Fälle von 104,12 Millionen Euro auf 150 Millionen Euro erhöhen. Insgesamt hätten 2.088 Personen im Privatbereich einen Antrag auf Unterstützung gestellt.

Auszahlungen

Rund 30 Prozent dieser Anträge seien inzwischen abgeschlossen und ausgezahlt. Sachschäden seien noch nicht alle behoben. "Diese Dinge dauern länger. Es funktioniert alles wieder normal, aber die Katastrophe hat massive materielle Schäden verursacht. Diese komplett zu beheben, ist ein längerer Prozess."

Als präventive Maßnahmen setze das Land Tirol auf Katastrophenschutz-Kommissionen in den Gemeinden. "Die Mitglieder werden in den Bereichen vorsorgende Planung für Katastrophen-Einsätze, Straßensperren und Evakuierung geschult", so Landesrat Anton Steixner. Auch gebe es von Seiten des Landes ein "klares Bekenntnis zu Retentionsräumen für unsere Fließgewässer". Für die Schutzwald-Verjüngung und -Stabilisierung werde jährlich eine Millionen Euro zusätzlich zum Budget von 7,2 Millionen ausgegeben. Die Feuerwehren würden Einheiten für Katastrophen-Einsätze bilden und zusätzliches "Kat-Schutz-Material", wie 350.000 neue Sandsäcke, 18 Motorpumpen, 81 Flüssigkeits-Sauger, eingelagert.

Lesen Sie weiter über ein neues Wetter-Frühwarnsystem ab Herbst 2007 und weitere Sicherheitsmaßnahmen.

Frühwarnsystem

Ein neues Wetter-Frühwarnsystem am Arlberg werde für 4,8 Millionen Euro gebaut. Diese fünfte Wetter-Radarstation Österreichs soll im Herbst 2007 in Betrieb gehen. Ein Wildbach-Betreuungskonzept soll das Naturgefahren-Risiko der 2.500 Wildbäche verringern. Im Zuge der Hochwasser-Katastrophe seien außerdem in Tirol Wasserbausteine knapp geworden. Das Land werde daher künftig für einen Vorrat Sorge tragen.

In Vorarlberg haben bei dem Hochwasser zwei Menschen ihr Leben verloren, elf Personen wurden verletzt. Die Wassermassen richteten einen Gesamtschaden in Höhe von 178 Mio. Euro an. Knapp ein Jahr danach ist der überwiegende Großteil der Schäden behoben und ein Ausbau der Schutzmaßnahmen erfolgt bzw. im Gang. In der Gemeinde Göfis (Bezirk Feldkirch) soll noch im Juli die Absiedelung einer Parzelle abgeschlossen werden.

Existenzsicherung

Für Landeshauptmann Herbert Sausgruber stand unmittelbar nach Erkennen des Ausmaßes der Katastrophe die Existenzsicherung der betroffenen Familien und Betriebe im Mittelpunkt der Bemühungen. "Unser Ziel ist es zu vermeiden, dass Unternehmen oder Private wirtschaftlich ihre Existenz verlieren", betonte Sausgruber - ein Vorhaben, das gelang.

Besonders schwer in Mitleidenschaft gezogen wurden durch das Hochwasser-Ereignis Ende August 2005 Gebiete im Bregenzerwald und im Montafon, ebenso am Arlberg sowie in Nenzing (Bezirk Bludenz), Göfis und Frastanz (Bezirk Feldkirch). Die Straßen in die Wintersportorte waren aber rechtzeitig zum Beginn der Wintersaison wieder befahrbar, auch die Infrastruktur in den Tourismus-Gebieten selbst war pünktlich in Stand gesetzt.

Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen

Laut Wasserwirtschafts-Referent Dieter Egger sind im Bereich der Flüsse bis heute "80 bis 85 Prozent der Sanierungsmaßnahmen abgeschlossen. In den Schadensgebieten wurde die Hochwassersicherheit erhöht bzw. sind Baumaßnahmen im Gang", sagte Egger. Die Realisierung von Schutzprojekten betrifft etwa die Bregenzerach im Raum Mellau, Bezau, Bizau und Reuthe, wo im Frühling die Baumaschinen auffuhren. Eine weitere Maßnahme wird an der Ill gesetzt, um das Betriebsgebiet in Nenzing besser zu schützen. Für heuer sind nach Angaben von Egger 44 Mio. Euro für Hochwasserschutzprojekte budgetiert.

Von der Absiedelung der Parzelle Schildried in Göfis sind 17 Parteien betroffen. Diese wurde seit 1999 drei Mal von Hochwasser heimgesucht. Die Häuser wurden abgelöst. Laut Egger soll mit dem Abriss noch im Juli begonnen werden.

Budget

Sausgruber hat bereits mehrmals betont, dass das vorgesehene mehrjährige Hochwasserschutzprogramm die Budgets der kommenden Jahre prägen wird. Im Vorarlberger Landesbudget 2005 schlug das Hochwasser-Ereignis mit 28,7 Mio. Euro zu Buche, dennoch gelang es dem Land, einen ausgeglichenen Rechnungsabschluss vorzulegen.

In Oberösterreich sind nach dem Hochwasser im vergangenen Jahr 1.392 Schadensfälle gemeldet worden, bei 930 davon sind die Sanierungsmaßnahmen bereits abgeschlossen. Insgesamt habe man 9,6 Mio. Euro an Fördermitteln ausbezahlt, hieß es aus dem Büro des zuständigen Landesrats Josef Stockinger. Die gesamte Schadenssumme könne man aber noch nicht beziffern.(APA)

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