Massen-Test für angehende Medizin-Studenten

7. Juli 2006, 17:23
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2.261 Studien­anwärterInnen kämpfen beim heutigen EMS um 740 Plätze an der Medizin-Uni Wien - 3.400 waren angemeldet

Wien - Früh aufstehen, Geduld und Ausdauer - wer im Herbst ein Studium an der Medizin-Universität Wien (MUW) beginnen will, musste diese Voraussetzungen am Freitag beim ganztägigen Eignungstest für das Medizin-Studium (EMS) unter Beweis stellen. Mehr als 2.261 Studienanwärter traten in der 16.000 Quadratmeter großen Halle A am Messegelände Wien an, nur 740 von ihnen erhalten einen Studienplatz. Ursprünglich hatten sich 3.429 Personen für den Test angemeldet.

Verspätung

Auf Grund des großen Andrangs begann der Test etwa 45 Minuten später als geplant. Trotzdem kamen einige angehende Studenten zu spät, sie wurden aber nicht mehr eingelassen. Sämtliche Teilnehmer mussten die strengen Sicherheitsvorkehrungen, die einerseits Schummeln verhindern und andererseits den lizenzierten Test schützen sollten, passieren. Beim Durchgang durch drei Metalldetektoren mussten die Studenten sogar ihre Gürtel abnehmen. Insgesamt sorgten 110 Aufsichtspersonen für den korrekten Ablauf.

"Beste Methode"

Der Vizerektor für Lehre der MUW, Rudolf Mallinger, begründete vor Journalisten die Einführung des EMS mit dem großen Interesse am Medizin-Studium, rund ein Drittel der Bewerber kommt aus dem Ausland (vor allem Deutschland). Die Möglichkeiten des Tests relativierte er: "Wer ein guter Arzt wird, stellt sich im Medizin-Studium heraus. Das ist Aufgabe des Studiums, nicht des Tests." Allerdings sei dieser die "beste Methode der Auswahl, wenn man auswählen muss".

Selektion statt Abbruch

Eine Selektion vor dem Studium sei für die jungen Menschen besser, als durch einen Abbruch mehrere Semester zu verlieren. Derzeit betrage die Drop-Out-Quote mehr als 50 Prozent, künftig erwartet er weniger als 20 Prozent, so Mallinger. Im nächsten Jahr wird der EMS wieder durchgeführt, anschließend evaluiert. Mallinger geht aber davon aus, dass er auch in Zukunft bleiben werde.

Gerichtsurteil

Anlass für die Einführung des Tests war das Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) über die österreichische Uni-Zugangsregelung im Vorjahr und der darauf folgende starke Andrang von deutschen Studienwerbern. In Folge hat der Nationalrat Anfang März die neue "Quotenregelung" für das Medizin-Studium beschlossen. Demnach stehen 75 Prozent der Studienplätze Bewerbern mit österreichischem Maturazeugnis zur Verfügung, 20 Prozent für solche aus anderen EU-Ländern und fünf Prozent aus anderen Staaten.

Zehn Untertests

Der EMS besteht aus den zehn Untertests "Quantitative und formale Probleme", "Schlauchfiguren", "Textverständnis", "Planen und Organisieren", "Konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten", "Medizinisch-naturwissenschaftliches Grundverständnis", "Gedächtnistest Figuren lernen", "Gedächtnistest Fakten lernen", "Muster zuordnen" sowie "Diagramme und Tabellen". Die Bearbeitungszeit der einzelnen Untertests reicht von fünf bis 60 Minuten.

Computerauswertung

Im Unterschied zu einer Schularbeit, bei der zuvor gelerntes Wissen abgefragt wird, stehen Lernfähigkeit oder die Fähigkeit zur Lösung neuer Probleme im Mittelpunkt. Alle Aufgaben (außer "Konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten") sind nach dem Multiple-Choice-Prinzip konstruiert. Der Test wird auf Papier durchgeführt, die Antworten zu den 198 Aufgaben werden eingescannt und per Computer ausgewertet. (APA)

    <p>Nervös bis gelassen: Die Bewerber reagierten unterschiedlich auf die Tests. </p>
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