"Fremdkörper" Embryo wird toleriert

10. Juli 2006, 12:10
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Kongress thematisiert Reproduktion - Theaterstück von Pillen-Erfinder Carl Djerassi wird in Graz uraufgeführt

Graz - Der Körper einer schwangeren Frau toleriert den "Fremdkörper" Embryo, obwohl dieser genetisch gesehen zu 50 Prozent anders - also vom Vater - ist. Dem Grund dafür wird am Institut für Zellbiologie, Histologie und Embryologie der Medizinischen Universität Graz nachgegangen. Das Institut ist auch Veranstalter des 4. Europäischen Kongresses für Reproduktionsimmunologie, der noch bis Freitag in Graz stattfindet. Als außergewöhnliches Rahmenprogramm erfolgt im Rahmen des Treffens die deutschsprachige Uraufführung des Stücks "Taboos" von Carl Djerassi - dem "Erfinder" der Pille.

Verhalten wie ein Tumor

"Es ist ein noch ungeklärtes Phänomen, warum Embryonen nicht abgestoßen werden", sagte Gottfried Dohr, Vorstand des Instituts, der APA. In Graz werde seit rund zehn Jahren daran gearbeitet. "Manche Experten meinen, dass sich der Embryo wie ein Tumor verhält, der auch in fremdes Gewebe vordringt, ohne dass ihn jemand stoppt", so Dohr. Dabei würden die Identitätsmoleküle (HLA-Moleküle) - die für jeden Menschen individuell sind - herunterreguliert.

Für das Nichtabstoßen von fötalen Zellen seien mehrere Mechanismen verantwortlich. "Ein Signal von vielen" seien die HLA-G-Moleküle, die nur auf den fötalen Zellen zu finden seien. "Wir haben bewiesen, dass HLA-G-Moleküle dafür verantwortlich sind, dass sich die Mutterzellen ruhig verhalten und die Killerzellen dazu veranlassen, sogar Helferlein bei der Schleimhautumstrukturierung sein," erklärte der Mediziner.

Internationaler Kongress

Die Thematik wird auch beim noch bis Freitag in Graz stattfindenden Kongresses mit über 100 TeilnehmerInnen aus 28 Nationen diskutiert. Gerade auf dem Gebiet der Reproduktionsimmunologie zählt Graz laut Dohr zu den führenden Institutionen. Insgesamt ist das Institut an drei EU-Projekten beteiligt und kooperiert mit der Grazer Frauenklinik.

Wissenschaftsvermittlung "mit Herz und Hirn" wolle man machen, so Dohr beim Pressegespräch am Donnerstag. Deshalb gebe es als Rahmenprogramm des wissenschaftlichen Treffens auch eine Podiumsdiskussion und ein Theaterstück. Die deutschsprachige Uraufführung des Stücks "Taboos" von Carl Djerassi - der "Mutter" der Pille, wie er sich selbst beim Gespräch bezeichnete - findet am Freitag in der Inszenierung "Reproduktion!" des renommierten Grazer Theaters im Bahnhof statt.

Genre "Science in fiction"

Mit dem Ansatz, eine Brücke zwischen Öffentlichkeit und Wissenschaftswelt zu bauen, hat Djerassi das Genre "Science in fiction" gegründet. In seinem aktuellsten Stück befasst er sich mit der Bedeutung von Familie, Heirat, Eltern, Embryo bzw. Baby und Zwillinge. "Die Bedeutung jedes der Wörter hat sich in den vergangenen 20, 30 Jahren verändert", so Djerassi.

Das Theaterstück selbst wird im Hörsaal der Uniklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe aufgeführt. Ein "perfektes Bühnenbild", wie Regisseur Eduard Hauswirth vom Grazer Theater im Bahnhof meinte. Organisiert wurde das Rahmenprogramm von Karla Valdes, EU-Projektmanagerin an der Med Uni. (APA)

Links

Medizinische Universität Graz

Theater im Bahnhof

Premiere Reproduktion!
7. Juli 2006, 21 Uhr
Hörsaal der Univ.-Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Auenbruggerplatz 14
8036 Graz
Anschließend Premierenparty im Scherbenkeller mit Boogee Basement: djs alistair mclaine, strictly andi and joshiva

weitere Vorstellungen: 11./12./13./14.07.06 jeweils 20 Uhr

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    foto: theater im bahnhof
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