"Taktik und Disziplin"

7. Juli 2006, 11:24
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Giovanni Trapattoni zieht ein WM-Resümee - Im Finale sieht er die Azzurri "physisch eine Spur stärker" - ein Interview

Salzburg - Italien zum vierten Mal nach 1934, 1938 und 1982 oder Frankreich zum zweiten Mal nach 1998? Die Antwort auf die Frage nach dem Fußball-Weltmeister 2006 wird am Sonntag (20 Uhr) im Berliner Olympia-Stadion gegeben. Prognosen dürfen natürlich schon im Vorfeld abgegeben werden. Giovanni Trapattoni, von 2000 bis 2004 Teamchef der Squadra Azzurra war und seit 19. Mai sportlicher Chef von Red Bull Salzburg, hat natürlich seine Präferenzen.

"Ich glaube, dass Italien physisch eine Spur stärker ist, aber im Finale ist alles möglich", meinte der 67-jährige Vorgänger des aktuellen und erfolgreichen italienischen Teamchefs Marcello Lippi im Interview. Der "Maestro", 1962 als Aktiver selbst WM-Spieler (17 Länderspiele) und mit 19 Meisterwürden der wohl erfolgreichste Vereinstrainer der Welt, hat in einem APA-Interview auch schon sein WM-Resümee gezogen. Für ihn haben "Taktik und Disziplin die Oberhand gewonnen".

Frage: Welche Erwartungen haben Sie vom WM-Finale Italien - Frankreich, wie lautet Ihr Tipp?
Trappatoni: "Ich glaube, dass Italien physisch eine Spur stärker ist. Das kann den Ausschlag geben, aber im Finale ist alles möglich."

Frage: Was zeichnet diese italienische Nationalmannschaft des Jahres 2006 besonders aus?
Trappatoni: "Mannschaftliche Geschlossenheit, der besten Torhüter des Turniers (Anm.d.Red.: Gianluigi Buffon), eine starke Verteidigung und eine hervorragende Organisation."

Frage: Was halten Sie von der Arbeit Ihres Nachfolgers Marcello Lippi als Teamchef?
Trappatoni: "Wenn du ins Endspiel einer Weltmeisterschaft kommst, musst du gute Arbeit geleistet haben und die richtige Mischung gefunden haben."

Frage: Hat Lippi viel verändert oder ist er Ihren Weg weiter gegangen?
Trappatoni: "Er hat jüngere Spieler eingebaut und ist schon daher gezwungen, einen anderen Weg zu gehen."

Frage: Hatte der aufgedeckte Manipulationsskandal in Fußball-Italien Auswirkungen auf die "Squadra"?
Trappatoni: "Die Spieler haben die Antwort auf dem Platz gegeben unter dem Motto: Seht her, wir haben damit nichts zu tun. Sie haben es toll weggesteckt."

Frage: War so ein Skandal vorhersehbar oder kam er überraschend?
Trappatoni: "So was kommt immer plötzlich und überraschend, sonst hätte man es verhindern können."

Frage: Was zeichnet die französische Nationalmannschaft aus?
Trappatoni: "Sie hat einige großartige Spieler, richtige Persönlichkeiten und ist auch als Mannschaft unheimlich ausgewogen und auch stark."

Frage: Wie muss man gegen Frankreich spielen, um den WM-Titel zu holen, was muss man vermeiden?
Trappatoni: "Es gilt wie immer, keine Fehler machen, keine Chancen zulassen und die eigenen, sicher wenigen Chancen nützen. Das klingt banal, aber so wird erfolgreich Fußball gespielt."

Frage: Warum gelingt es gerade Zinedine Zidane - im Unterschied zu vielen anderen Stars - dieser WM seinen Stempel aufzudrücken?
Trappatoni: "Er sieht seine letzte große Chance, noch einmal den WM-Titel zu holen."

Frage: Wenn Sie ein WM-Resümee ziehen, was ist für Sie an der WM überraschend?
Trappatoni: "Dass es keine Mannschaft gab, die sich klar hervorheben konnte. Es hätten realistischerweise sechs bis acht Teams den Titel holen können."

Frage: Welche Erkenntnisse kann man aus dem WM-Turnier 2006 ziehen?
Trappatoni: "Dass die Taktik und Disziplin die Oberhand gewonnen haben. Es gab wenige Tore und nicht viele wirklich berauschende Spiele." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Giovanni Trappatoni hat wenige berauschende Matches gesehen.

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