Widerstand gegen Wahlergebnis verstärkt

15. Juli 2006, 09:46
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200.000 Anhänger López Obradors demonstrieren in Mexiko-Stadt - Linke lehnt Koalitionsangebot ab

Mexiko-Stadt - Der Präsidentschaftskandidat der mexikanischen Linken, Andrés Manuel López Obrador, hat das Angebot zur Bildung einer Koalitionsregierung in Mexiko abgelehnt. Bei einer Demonstration von rund 200.000 Anhängern im Zentrum der Hauptstadt Mexiko-Stadt rief López Obrador am Samstag stattdessen zum Widerstand gegen das Ergebnis der Präsidentenwahl vom vergangenen Sonntag auf. Dieses verweist ihn knapp hinter dem konservativen Politiker Felipe Calderón auf den zweiten Platz. Am Mittwoch und am kommenden Sonntag will er mit weiteren Großdemonstrationen seinen Forderungen Nachdruck verleihen.

"Wir fordern eine Neuauszählung aller Stimmzettel", sagte López Obrador. "Wir sind sicher, dass wir am 2. Juli gewonnen haben." Dem noch nicht beglaubigten Auszählungsergebnis erhielt er jedoch rund 200.000 Stimmen weniger als sein konservativer Gegenkandidat Felipe Calderón.

"Wir werden die Demokratie verteidigen", sagte betonte Lopez Obrador. "Alle Wahlurnen müssen geöffnet werden, weil es stichhaltige Beweise gibt, dass sie Stimmzettel entnommen haben, um den Kandidaten der Rechten zu begünstigen", forderte der Linke. In der vergangenen Woche hatten die Behörden nur die Ergebnislisten aus den Wahllokalen ein zweites Mal ausgewertet. "Das elektronische Zählsystem wurde manipuliert (...) Was auf dem Schirm war, stimmte nicht immer mit der Realität überein", sagte Lopez Obrador ausländischen Journalisten.

Zócalo gefüllt

"Du bist nicht allein" und "Obrador, Obrador", skandierte die Menschenmenge, die dicht gedrängt den riesigen Zócalo-Platz im Herzen der Metropole füllte. Es war seit der Wahl bereits das zweite Mal, dass die Organisatoren der PRD von López Obrador mehr als 150.000 Menschen zum Protest gegen den sich abzeichnenden Sieg Calderóns von der Partei der Nationalen Aktion (PAN) auf die Straße brachte.

Die Bildung einer Koalition mit Calderón hatte López Obrador bereits vorher am Tage vor der internationalen Presse zurückgewiesen. Die Projekte Calderóns seien zu unterschiedlich von den seinen, sagte er zur Begründung. Calderón hatte das Koalitionsangebot in die Debatte eingeführt, weil jeder Präsident nach der derzeitigen Konstellation im Kongress eine Oppositionsmehrheit gegen sich hat. (APA/dpa)

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    Die Anhänger López Obradors füllten den riesigen Zócalo vor dem Präsidentenpalast und der Kathedrale von Mexiko-Stadt

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