Londoner Attentäter drohte auf Video mit neuen Attacken

22. Juli 2006, 18:04
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Aufnahme eines der Attentäter zum Jahrestag der Anschläge aufgetaucht - Wird als stärkster Hinweis auf Beteiligung der Al- Kaida an Anschlägen gewertet

London - Ein Jahr nach den Londoner Terroranschlägen ist am Donnerstag ein Video aufgetaucht, auf dem einer der Täter mit neuen Bluttaten gedroht hatte. "Was ihr erlebt habt, ist nur der Anfang einer Serie von Angriffen", erklärte der Terrorist Shehzad Tanweer nach Angaben eines Übersetzers auf dem Videoband. Wo und wann genau vor den Selbstmordanschlägen am 7. Juli 2005 das Band entstand, war zunächst unklar.

In der offenkundig an die britische Regierung gerichteten Botschaft der Attentäter hieß es, die Anschläge würden "fortgesetzt und stärker werden bis ihr eure Truppen aus Afghanistan und dem Irak abzieht und bis ihr die finanzielle und militärische Unterstützung für Amerika und Israel einstellt".

Hinweis

Das zuerst dem arabischen Sender Al-Jazeera zugespielte Video gilt zugleich als bisher stärkster Hinweis auf eine Al-Kaida-Verbindung der vier britischen Muslime, die am 7. Juli 2005 mehr als 50 Menschen in der Londoner U-Bahn sowie einem Bus töteten. Auf dem Band ist auch die Nummer zwei des Terrornetzwerkes Al-Kaida, Ayman al-Zawahiri, zu sehen. Eine Verbindung der Täter zur Al-Kaida, die auch für die Anschläge in den USA am 11. September 2001 verantwortlich ist, wurde von den britischen Ermittlungsbehörden bislang nicht nachgewiesen.

Sicherheitsexperten sagten dem Sender BBC, der das Video in Teilen ausstrahlte, das Auftauchen Zawahiris gebe Vermutungen neue Nahrung, dass die Al-Kaida wesentlich stärker als bis dato angenommen an der Planung der Londoner Anschläge beteiligt war. Innenminister John Reid erklärte, es gebe allerdings schon "zahlreiche Indizienbeweise" für eine Al-Kaida-Verbindung zu den Anschlägen des 7. Juli.

Bereits im September Video veröffentlicht

Bereits im September war ein Video mit einer Botschaft eines der Attentäter veröffentlicht worden. Darauf hatte der als Kopf der Vierergruppe angesehene Mohammad Sidique Khan erklärt: "Wir befinden uns im Krieg und ich bin ein Soldat." Auch auf diesem Band waren angebliche Verbrechen Großbritanniens gegen die islamische Welt als Grund für die Terroranschläge genannt worden.

Der stellvertretende Chef von Scotland Yard, Andy Hayman, erklärte, das Video sei gezielt am Vorabend des ersten Jahrestages der Anschläge des 7. Juli veröffentlicht worden. Die Terroristen wollten "die Schmerzen und Leiden der Hinterbliebenen der Opfer und der Hunderten von Menschen verstärken, die durch die Terroranschläge verletzt wurden".

Tanweer hatte am 7. Juli 2005 gegen 08.50 Uhr als erster der vier Selbstmordattentäter seine Rucksackbombe gezündet. Die Explosion in einer U-Bahn tötete sieben Menschen und verletzte 171. Insgesamt rissen die Terroristen 52 Menschen mit sich in den Tod. Mehr als 700 wurden verletzt. Viele von ihnen so schwer, dass sie noch heute an den Folgen leiden. (APA/dpa/Reuters)

  • Nach den Anschlägen wurden Bilder von vermissten Personen aufgehängt, jene auf dem Foto hingen am Eingang zur U-Bahnstation King's Cross.
    epa/daniel deme

    Nach den Anschlägen wurden Bilder von vermissten Personen aufgehängt, jene auf dem Foto hingen am Eingang zur U-Bahnstation King's Cross.

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