20 Palästinenser binnen 24 Stunden im Gazastreifen getötet

6. Juli 2006, 23:33
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Jüngste Kämpfe in Beit Lahija - Blutigster Tag seit Beginn der Offensive "Sommerregen"

Gaza/Genf - Bei dem jüngsten israelischen Angriff im Norden des Gazastreifens sind drei Palästinenser getötet worden. Wie die palästinensischen Sicherheitskräfte mitteilten, wurden bei dem Angriff in Beit Lahija am Donnerstagabend darüber hinaus zehn Palästinenser verletzt. Die Zahl der Palästinenser, die binnen 24 Stunden im Gazastreifen getötet wurden, stieg auf 20.

Bei den Kämpfen in Beit Lahija wurde auch ein israelischer Soldat getötet. Die israelische Armee will mit dem Angriff nach eigenen Angaben den Abschuss von Raketen aus dem Gazastreifen auf israelisches Territorium stoppen.

Blutigster Tag seit Beginn der Offensive "Sommerregen"

Bei den schwersten Kämpfen seit Beginn der israelischen Militäroffensive im Gazastreifen vor gut einer Woche sind am Donnerstag mindestens 15 Palästinenser sowie ein israelischer Soldat getötet worden. Die israelische Armee rückte in den frühen Morgenstunden mit Panzern und Bodentruppen auch in den Norden des Gazastreifens ein und drang dabei bis zu den im vergangenen Jahr geräumten israelischen Siedlungen vor. Es war der blutigste Tag seit Beginn der Offensive "Sommerregen" am Mittwoch vergangener Woche.

Der neue UNO-Menschenrechtsrat beschloss in Genf die Entsendung einer Delegation in die palästinensischen Gebiete, um dort die Menschenrechtslage einzuschätzen. In einer von dem Gremium verabschiedeten Resolution wird Israel zudem vorgeworfen, die Menschenrechte zu verletzen. Dazu gehöre die Verhaftung von palästinensischen Politikern sowie Militäraktionen gegen Ministerien uns auch die Zerstörung von Brücken sowie von Wasser- und Elektrizitätswerken in den palästinensischen Gebieten. Am Donnerstag verhafteten die Israelis einen weiteren Palästinenser-Politiker, den stellvertretenden Parlamentspräsidenten Hassan Khreisheh.

Katar hat im Weltsicherheitsrat eine Anti-Israel-Resolution beantragt. Als derzeitiges nichtständiges Mitglied des Sicherheitsrates verfasste das arabische Land einen Resolutionsentwurf, in dem Israel zum unverzüglichen Abzug aus dem Gazastreifen aufgefordert wird. Außerdem solle Israel jede weitere "Aggression" gegen die Palästinenser unterlassen und alle festgenommenen Hamas-Regierungsmitglieder freilassen. Der Entwurf gilt jedoch als chancenlos.

Israelischer Einsatz soll Beschuss durch Kassam-Raketen unterbinden

Mit dem Einsatz im Nordabschnitt des Gazastreifens will das Militär den Beschuss israelischer Grenzorte durch palästinensische Kassam-Raketen unterbinden. Seit Dienstagabend waren mehrere solcher Kleinraketen in der Küstenstadt Aschkelon und damit erstmals in einer größeren israelischen Stadt eingeschlagen.

Ein Sprecher des Palästinenserpräsidenten Mahmoud Abbas forderte am Donnerstag ein sofortiges Ende der Militäroffensive und warnte vor einer schrittweisen Wiedereroberung des Gazastreifens. Nabil Abu Rudeineh sprach sich für eine diplomatische Lösung der jüngsten Nahost-Krise aus.

Der palästinensische Regierungschef Ismail Haniyeh kritisierte den Einsatz scharf. Er zeige, dass Israel "große Gebiete des Gazastreifens wieder besetzen, die Infrastruktur des palästinensischen Volkes treffen und ihm eine Kollektivstrafe auferlegen will". Unterdessen erschienen 27 der insgesamt 64 festgenommenen palästinensischen Minister und Hamas-Abgeordneten vor zwei israelischen Militärgerichten. Für zwölf von ihnen wurde entschieden, sie eine weitere Woche festzuhalten, ein Minister sollte gegen Kaution freikommen. Israel hatte die Politiker in der vergangenen Woche im Westjordanland nach der Entführung des israelischen Soldaten festgenommen.

Bei Schusswechseln mit militanten Palästinensern und Luft- und Bodenangriffen israelischer Truppen wurden im Bereich der Ortschaft Bet Lahia insgesamt 13 Palästinenser getötet, darunter ein Polizist. Auch bei Khan Yunis im südlichen Gazastreifen feuerte die israelische Luftwaffe eine Rakete in eine Gruppe militanter Palästinenser. Dabei kamen zwei Mitglieder der radikalen Organisation Islamischer Jihad ums Leben. Zum ersten Mal seit Beginn der Offensive wurde auch ein israelischer Soldat von Palästinensern erschossen.

Die in London erscheinende arabischsprachige Zeitung "Al-Hayat" meldete am Donnerstag, der militärische Hamas-Arm habe seine Bedingungen für eine Freilassung des entführten israelischen Soldaten Gilad Shalit gemäßigt. Hamas fordere nun die Freilassung von 150 Gefangenen anstatt wie ursprünglich von etwa 1.400 Häftlingen. Hamas- Sprecher im Gazastreifen wollten sich dazu zunächst nicht äußern. (APA/dpa)

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