Russland: TV-Nachrichten Propagandainstrument Putins

14. Juli 2006, 12:01
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Studie: Größere Ausgewogenheit bei Zeitungen

Die Fernsehnachrichten in Russland sind laut einer international finanzierten Studie zu einem Propagandainstrument für Präsident Wladimir Putin geworden. Das staatliche Fernsehen widme mehr als 90 Prozent seiner Nachrichten dem Präsidenten. Diese seien überwiegend positiv oder allenfalls neutral, sagte der Generalsekretär des russischen Journalistenverbandes, Igor Jakowenko.

99 Prozent positiv

Im Staatssender Perwy Kanal handelten im April und Mai 93 Prozent der Nachrichten von den Machthabern und zu 99 Prozent positiv oder neutral. Die Opposition sei nur in etwa einem Prozent der Sendungen thematisiert worden - überwiegend negativ oder neutral. Der vom staatlichen Gasriesen Gazprom kontrollierte Sender NTW widmete demnach 85 Prozent seiner Nachrichten der Regierung, allerdings in einem etwas neutraleren Ton.

Zeitungen ausgewogener

Die Berichterstattung in den Zeitungen zeichnet durch größere Ausgewogenheit aus als das Fernsehen. In der angesehenen Tageszeitung "Kommersant" nahmen laut Studie Regierungsthemen rund 78 Prozent der politischen Berichterstattung ein. Lob und Kritik hielten sich die Waage.

Ermittlungen wegen Rufmordes

Fazit des Journalistenverbands: Die tendenzielle Berichterstattung in den russischen Medien verstärkt sich. Durch neue Gesetze versuche die Regierung, die Medien weiter einzuschüchtern, sagte Verbandschef Jakowenko. Als Beispiel nannte er Ermittlungen wegen Rufmordes gegen vier Mitarbeiter der Wochenzeitung "Nowje Kolesa" aus Kaliningrad oder den Kauf der Tageszeitung "Istwestija" durch Gazprom, die damit deutlich Kreml-treuer geworden sei.

Für die Untersuchung beobachtete der russische Journalistenverband seit März die russische Medienlandschaft. Finanziert wurde die Studie von den US-Nichtregierungsorganisationen Freedom House und National Endowment for Democracy. (APA)

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