Prinzessin wollen alle sein, bis ins hohe Alter

27. Juli 2006, 14:31
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Seit einem Monat gehört das Dream Castle Hotel im Eurodisneyland der Vienna International Gruppe

"In Disneyland kann man Geld ausgeben ohne Ende", sagt Rudolf Tucek, Chef und Miteigentümer der Vienna International (VI) Hotelgruppe, die Anfang Juni ihr bisher größtes Hotel, das Dream Castle in Eurodisney (400 Zimmer, 1414 Betten, vier Sterne) bei Paris, übernahm.

Eine dreiköpfige Familie muss, wenn sie ein Package der Partner ÖBB oder Air Berlin nimmt (zwei Nächte, zwei Tage Park) mit rund 1500 Euro rechnen, und da ist die "Buffalo Bill's Show"um 59 Euro pro Person, der Autogrammblock für die Disney-Figuren um fünf Euro samt dazugehörigem Stift um 4,70 Euro oder der Burger samt Pommes um 18 Euro noch nicht zur Gänze eingerechnet. Vom Eisbecher um 6,50 Euro ganz zu schweigen. Kaum zu glauben, dass der französische Themenpark im letzten Geschäftsjahr einen Verlust von 95 Mio. bekannt gab. Doch dieser wird von Insidern ohnehin bezweifelt, da gebe es bilanziell so viele Gestaltungsmöglichkeiten.

Eine Stunde lang Schlange stehen

Wer Disneyland Paris besucht, braucht nicht nur eine prall gefüllte Geldbörse, sondern auch gute Nerven. Mit jährlich 12,5 Mio. Besuchern, fertigt der Park fast so viele Gäste ab, wie der Wiener Flughafen (2005: 15,9 Mio.). Um Attraktionen wie Big Thunder Mountain (ein führungsloser Zug mitten durch die Mine) besuchen zu können, muss sich mindestens eine Stunde anstellen - ein Erlebnis, das nur wenige Minuten dauert. Ein Fotoshooting mit Princess Daisy gibts von zehn bis 12.30 Uhr. Bei größter Mittagshitze warten um 12.20 Uhr noch immer 80 Leute in der Schlange.

Tucek ist also um die Auslastung seiner jüngste Neuerwerbung nicht bang. Derzeit sind es 80 Prozent, bei einem Zimmerpreis (bis maximal vier Personen) von 240 bis 260 Euro pro Tag. Doch der frühere Verkehrsbüro-Chef will neue Geschäftsfelder erschließen und das Hotel auch für Hochzeiten und Konferenzen öffnen. Und er plant Mädchen zu einem Themenschwerpunkt zu machen: "Prinzessin wollen alle sein, bis ins hohe Alter, Buben hingegen ändern alle drei Monate ihre Berufswünsche, das macht die Themenplanung schwierig", sagt Tucek.

40 Prozent der Nächtigungen werden bereits über Internet gebucht, was Tucek mit dem überwiegend jungen Publikum erklärt. Mitentscheidend, dass der Weltkonzern Disney VI als Betreiber akzeptierte und Rewe/Mövenpick abgelöst werden konnte, war dessen starke Präsenz in Osteuropa, von wo künftig mehr Gäste angelockt werden sollen. VI ist mit derzeit 31 Hotels der größte heimische Hotelbetreiber im Ausland, hauptsächlich in Osteuropa. Vier neue Hotels kommen aus derzeitiger Sicht bis Anfang 2008 dazu.

Investiert wird weiter vornehmlich im Ausland. "In Prag habe ich drei Vier-Sterne-Hotels und eines wird gerade umgebaut. Das würde ich mich in Wien nicht trauen", erzählt Tucek. Der Grund: Wien sei zwar im Tourismus und bei den Konferenzen stark, aber es fehlten die Geschäftsreisenden. "Und die Erkenntnis, dass auch mit Billig-Airlines Fünf-Sterne-Hotel-Gäste kommen, gibt es in Wien auch noch nicht lange." (Claudia Ruff, DER STANDARD Printausgabe, 07.07.2006)

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    Mickey und Minnie locken jährlich 12,5 Millionen Besucher nach Paris

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