Kärnten: "Hilfeschrei aus der Kirchenbasis"

13. Juli 2006, 11:13
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Die Personalbesetzungen von Bischof Alois Schwarz in der Diözese Gurk sorgen weiter für Unmut: Nicht nur der Klerus, auch das Kirchenvolk beginnt immer mehr zu revoltieren

Klagenfurt - Der Unmut über offenbar unverständliche Personalentscheidungen in der Diözese Gurk will nicht verstummen. Eine Flut von Leserbriefen, die Betroffenheit über den unpersönlichen, ja kalten Umgang mit engagierten Mitarbeitern äußern, veranlasste nun auch die Kärntner Kirchenzeitung Der Sonntag, sich damit zu beschäftigen. Diözesanbischof Alois Schwarz versuchte darin im Fall der Versetzung des Klagenfurter Dompfarrers Josef Klaus Donko zu beruhigen. Dieser habe seinem Wunsch, ihn in die Pfarre Maria Saal zu versetzen ausdrücklich bejaht. Es werde kein Geistlicher gezwungen, in einer anderen Pfarre oder Funktion tätig zu werden. Donko konnte seine Versetzung schon einmal vor Ostern abwehren. Beim zweiten Mal wollte er sich nicht mehr widersetzen. Offener Aufruhr, der in Rücktrittdrohungen des Dompfarrgemeinderats gipfelte, war die Folge.

Ausgerechnet im Sonntagerhebt jetzt auch der bisherige Pfarrer von Maria Saal, Pater Bernhard Gerwe, Vorwürfe. Es habe diesbezüglich einen "unklugen"Brief seines Ordensoberen an den Bischof gegeben. "Mit mir hat der Bischof nie über meine Zukunft oder die Zukunft der Pfarre Maria Saal gesprochen. Ich muss mein Silbernes Priesterjubiläum jetzt zwischen Koffern feiern", überlegt er sich, aus dem Orden auszutreten.

Auch bei den Religionslehrern regt sich Widerstand, vor allem gegenüber der Leiterin des Schulamts Birgit Leitner, die zum engsten Vertrauenskreis des Bischofs zählt: "Sie setzt ihre Macht ein, um Angst zu erzeugen. Wer ihr widerspricht, hat mit Konsequenzen zu rechnen - bis hin zur Gefährdung der Existenz", erzählt eine Gruppe von Betroffenen. Sich dem Bischof, der sonst mit seiner bodennahen Spiritualität auch auf viel positives Echo stoße, mit ihren Sorgen anzuvertrauen, wagen sie aus "Furcht vor Repressalien"nicht: "Er sieht offenbar nur ihre Zuckerseite."Der Bischof habe "falsche Berater um sich", er solle auf sein Kirchenvolk hören: "Das hier ist ein Hilfeschrei aus der Basis".

Und die will nicht verstehen, warum der Leiter des Religionspädagogischen Instituts (RPI) Bozo Hartmann zugunsten von Leitners "Busenfreundin"Lieselotte Wolf enthoben worden sein soll. Leitner weist alle Vorwürfe zurück: "Frau Direktor Wolf ist durch ihre Qualifikation bestens geeignet, die Integration von RPI und Religionspädagogischer Akademie in die neue Hochschule zu leiten."2007 werde die Leitungsfunktion dann ausgeschrieben. Zum Aufschrei der Religionslehrer meint sie: "Ich muss manchmal Entscheidungen treffen, die wehtun. Dass manche dann betroffen sind, verstehe ich."Der diözesane Pressesprecher Matthias Kapeller kritisiert die "unsachliche und polemische STANDARD- Berichterstattung" über Wolf. (Elisabeth Steiner/ DER STANDARD, Printausgabe, 7.7.2006)

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