Nur langsam kommt Bio in den Tank

6. Juli 2006, 19:56
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Beim Umstieg auf alternative Treibstoffe sind noch viele Steine aus dem Weg zu räumen - Um sich durchzusetzen, braucht es Steuerbefreiungen

Wien - "Europa hätte schon viel früher beginnen sollen umzusteigen", sagt Peter Engert, Vorstand der Raiffeisen-Leasing bedauernd. "Spätestens nach der Benzinkrise."

Dabei ist wenig bekannt, dass in den Anfängen der Motorisierung häufig mit nachwachsenden Treibstoffen experimentiert wurde: Rudolf Diesel etwa betrieb um 1900 seine Motoren mit Erdnussöl. Erst mit dem Auffinden von umfangreichen Ölquellen wurden pflanzliche Öle als Treib- und Schmierstoffe für die Autoindustrie zurückgedrängt.

Jetzt jedoch ist der Zeitpunkt günstig und wie immer ist es eine Frage der großen Zahl. Bei Raiffeisen-Leasing ist man deshalb - wie bei vielen anderen Unternehmen auch - dabei, die firmeneigene Fahrzeugflotte ganz auf Vehikel umzurüsten, die mit alternativen Technologien fahren.

Wenig Aussicht auf sinkenden Ölpreis

Der Hintergrund dabei: "Wir müssen Know-how auf diesem Gebiet aufbauen", skizziert Engert die Überlegungen seines Instituts, das der größte heimische Autoleasing-Anbieter ist: "Schließlich wollen wir unsere Kunden diesbezüglich beraten können. "Nebensatz: "Und billiger kommt es uns auch, denn der Ölpreis wird nicht mehr groß sinken."

Allerdings steckt bei solchen Vorhaben der Teufel im Detail: Reine Biodiesel-Fahrzeuge gibt es bereits serienmäßig, etwa von VW. Jedoch, sagt Steffan Kerbel vom ÖAMTC, ist bei Autos, die gänzlich mit Biodiesel fahren, "die Euphorie ein bisserl verflogen."Die Gründe dafür sind vielfältig und etwa darin zu suchen, dass Experten bezweifeln, dass Raps, derzeit die am meisten verwendete Pflanze, in genügend großer Menge hergestellt werden kann. Ein anderer Grund ist, dass der pflanzliche Diesel kalte Jahreszeiten nicht goutiert.

Salatöl-Autos

Ein interessanter Weg sind so genannte Pflanzenöl-Autos, salopp auch Salatöl-Autos genannt. Gut zwanzig konventionelle Modelle - von Mercedes über Nissan bis hin zu VW - gibt es, die zu einem Preis von 2000 bis 4500 Euro umgerüstet werden können.

Da diese Kosten im Betrieb idealerweise wieder hereingespielt werden sollen, eignet sich dieses umweltfreundliche Modell derzeit eher für Firmenautos. Engert jedenfalls wird eine Pflanzenöl-Zapfstelle in der Garage der Zentrale in der Hollandstraße aufstellen lassen. Den Autoumbau und den Betrieb der alternativen Tankstelle übernimmt die Waldland PflanzenöltechnologieentwicklungsgesmbH, ein niederösterreichisches Unternehmen, das sich auf die Nutzung der nachwachsenden Rohstoffe von 800 zuliefernden Bauern spezialisiert hat.

Rasante Entwicklungen

Allerdings sind die involvierten Branchen in Aufbruchstimmung, sodass viele Probleme von heute bald obsolet sein könnten. Etwa die Frage des Produktionsoutputs: Geforscht wird, dass bei der Bioethanolherstellung nicht nur die Frucht, sondern die ganze Pflanze, beispielsweise bei Mais, verwendet werden kann.

Auch werden die Kapazitäten selbst massiv ausgebaut, was aufgrund der EU-weiten Beimischungsverpflichungen auch dringen nötig ist. Heuer werden die zehn heimischen Biodieselanlagen mit zusammen 180.000 Tonnen ihren Ausstoß im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln; weitere große Biodiesel-Anlagen mit Kapazitäten um die 100.000 Tonnen werden in Wien und Enns gebaut. Und als Ersatz für Benzin baut der Zucker- und Stärkekonzern Agrana im niederösterreichischen Pischelsdorf eine Bioethanolanlage. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD Printausgabe, 07.07.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Raps ist ein Basisstoff für sauberen Sprit

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