Nachlese: Kongo-Einsatz schon 1960 unpopulär

9. Oktober 2006, 16:11
posten

Erster österreichischer Auslandseinsatz: SPÖ-Minister Kreisky war dafür, die ÖVP bremste

Der Einsatzraum Kongo ist dem österreichischen Bundesheer nicht unbekannt: Dorthin hatte vor 46 Jahren die erste internationale Mission geführt. Sie wäre fast gescheitert, bevor sie richtig begonnen hatte: Am 11. Dezember 1960 brachen 49 Sanitäter mit Hercules-Transportern der US Air Force in die Stadt Bukavu auf – am Tag nach der Ankunft wurden sie allerdings von kongolesischen Soldaten als vermeintliche "Belgier" gefangen genommen und mussten von nigerianischen UN-Truppen befreit werden. Dabei fiel ein nigerianischer Soldat, und die gesamte Ausrüstung des Spitals ging verloren.

Die Österreicher blieben dennoch bis Ende Mai 1961 und wurden dann durch ein neues Kontingent ersetzt – auch wenn der Einsatz daheim alles andere als populär war. Die Öffentlichkeit war 15 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkriegs höchst skeptisch. Schon im Vorfeld hatte es zwischen Außenminister Bruno Kreisky (SPÖ) und Verteidigungsminister Ferdinand Graf (ÖVP) Streit gegeben. Kreisky war der Meinung, Österreich müsse der Welt beweisen, dass es etwas für die Sicherheitspolitik zu leisten imstande ist. Als am 20. Juli 1960 Graf den Ministerrat informierte, dass die UN österreichische Truppen für den eben unabhängig gewordenen Kongo wolle, war Kreisky sofort bereit, zuzusagen. Die ÖVP war vorsichtig und berief sich auf Verfassungsjuristen, die Auslandseinsätze ablehnten. Die daraufhin getroffenen Festlegungen, dass Soldaten nur freiwillig ins Ausland verschickt werden können, wirken bis heute nach.

General Erwin Fussenegger stellte sich auf die Seite Kreiskys: "In diesem Hexenkessel sind nur militärische Formationen einsetzbar, da sie sonst erschlagen werden", steht in seinem Tagebuch. Dennoch wurde als Kompromiss beschlossen, nur zwei Feldspitäler zu entsenden, eines davon blieb vorerst in Österreich.

Während die Österreicher die ganze zweite Jahreshälfte 1960 lang zögerten, Soldaten zu schicken, wurde die Lage im Kongo immer schwieriger. Als die Sanitäter dann im Land waren, hatten sie zwar ihr Spital (und weit gehend die politische Rückendeckung Grafs) verloren, nicht aber die Motivation: Im Kongo war das belgische Gesundheitssystem durch den Bürgerkrieg zerstört worden - die Österreicher sprangen ein. Ab Januar 1961 betreuten sie Flüchtlinge in Bakwanga (heute: Mbuji-Mayi) in der Provinz Süd-Kasai, es folgten weitere Kontingente bis 1963 in verschiedene Regionen. Pro Monat wurden nur rund 100 UN-Soldaten, aber 4000 Zivilisten behandelt. Für Österreich hatte sich die Erwartung, mit dem Kongo-Einsatz stärker in der UNO verankert zu sein, erfüllt. (Conrad Seidl/ DER STANDARD, Printausgabe, 7.7.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.