EU-weit billigere Produkte

18. Oktober 2006, 16:44
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Europaparlament fordert Senkung der Mehrwertsteuer und Aufhebung von Einfuhrzöllen auf fair produzierte Produkte

Straßburg - Das Europaparlament will so genannte Fairtrade-Produkte billiger machen. In einer Entschließung verlangte das EU-Parlament am Donnerstag die Senkung der Mehrwertsteuer und die Aufhebung der EU-Einfuhrzölle für Fairtrade-Produkte. Der Absatz an Fairtrade-Produkten sei in der EU seit 2000 zwar jährlich um ein Fünftel gestiegen. Es gebe aber noch immer ein kräftiges Wachstumspotenzial, hieß es in der Entschließung.

Außerdem wird die EU-Kommission darin dazu aufgefordert, einheitliche EU-Standards für Fairtrade-Produkte festzusetzen, die Kriterien für faire Preise und fairen Lohn, die Einhaltung der Mindestarbeitsstandards, eine Vorauszahlung, wenn das von den Produzenten gewünscht wird, sowie langfristige stabile Beziehungen zwischen den Produzenten und Händlern beinhalten sollen.

Vertrauen schaffen

"Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, das Produkte, die sie unter der Bezeichnung 'Fair-Trade' kaufen, auch wirklich hohen sozialen und ökologischen Standards entsprechen", sagte der zuständige EU-Parlamentsberichterstatter Frithjof Schmidt von den Grünen. Gleichzeitig soll damit sichergestellt werden, dass - wenn es tatsächlich zu einer Senkung der Mehrwertsteuer - nicht einige Waren zu Unrecht billiger werden.

Menschenwürdige Bedingungen

Unter fair gehandelten Produkten versteht man jene Erzeugnisse, die ohne Kinderarbeit, unter menschenwürdigen Arbeitsbedingungen oder umweltschonender Wirtschaftsweise hergestellt wurden und für die der Produzent auch einen angemessenen Preis erhalten hat. Dies sei umso wichtiger, als die Einkaufspreise für viele Agrarprodukte aus den Entwicklungsländern, wie Zucker, Baumwolle, Kakao und Kaffee zwischen 1970 und 2000 um 30 bis 60 Prozent gesunken seien, heißt es in dem Beschluss.

Der Handel mit fairen Produkten komme aber nicht nur den Ländern der Dritten Welt zu Gute, sondern sei auch eine Chance für Europa, sagte der SPÖ-Europaparlamentarier Jörg Leichtfried. Durch die Verbesserung der wirtschaftlichen Situation in den wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern könne sich auch der Handel mit europäischen Waren in diesen Ländern verbessern, was wiederum auch Arbeitsplätze in Europa absichere.

Weltweit gibt es laut Leichtfried derzeit etwa 800.000 Produzenten und 5 Millionen Menschen, die von der Produktion leben. Das Handelsvolumen hat sich ihm zufolge von 175 Mio. Euro im Jahr 1994 auf 500 Mio. Euro im Jahr 2004 gesteigert. In Österreich ist das Verkaufsvolumen laut jüngsten Angaben von Fairtrade Österreich alleine im Jahr 2005 um 62 Prozent auf 25,6 Mio. Euro gestiegen. (APA)

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    Fair Trade-Bananen werden für die Verpackung vorbereitet

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