Haberzettl erhöht Druck im ÖGB-Reformprozess

6. Juli 2006, 18:31
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"Sollten schon ein gehöriges Stück weiter sein" - Betriebsräte­konferenz in Linz wie Fußball­match organisiert: "Herzlich willkommen zum Aufstieg!"

Linz - Der interimistische Vorsitzende der Fraktion sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG), Wilhelm Haberzettl, erhöht den Druck im Reformprozess des ÖGB. "Wir sollten schon ein gehöriges Stück weiter sein", betonte er in einer Pressekonferenz vor einer Betriebsrätekonferenz am Donnerstag in Linz. Die Veränderungsnotwendigkeit im ÖGB sei schon länger gegeben, aber nie ernsthaft angegangen worden, sagte Haberzettl vor den Teilnehmern der Veranstaltung.

"Enormer" Zeitdruck

Der Zeitdruck sei "enorm", betonte er in der Pressekonferenz. Deshalb habe "Vida" - ein Zusammenschluss von Eisenbahner-, Tourismus- und Handel-Transport-Verkehr-Gewerkschaft - kurzfristig zu der Konferenz im Design Center eingeladen. Die "formatierte Open-Space-Veranstaltung" (Haberzettl) wurde aus aktuellem Anlass ähnlich einem Fußballspiel gestaltet: Nach dem Anpfiff durch den FSG-Chef nahmen die Mitglieder an Tischen Platz. Im 90-minütigen "Match" sollten gezielt Fragen an sie gestellt werden. In den ausgegebenen Unterlagen hieß es: "Herzlich willkommen zum Wiederaufstieg!"

Er habe kein Problem mit unangenehmen Themen, sagte Haberzettl: "Ich lebe täglich damit." Er möchte keine Aufarbeitung der Vergangenheit, sondern den Blick in die Zukunft richten. Die Konferenz bezeichnete Haberzettl als "Fingerzeig", in welche Richtung sich die Diskussion mit den Mitgliedern im ÖGB bewegen müsse. Für die kommende Woche erwartet sich der FSG-Vorsitzende vom ÖGB Informationen über die geplanten Projekte und eine Zeitschiene. Das Ergebnis des Linzer Treffens sei als "Auftrag" zu sehen. Innerhalb von drei Wochen werde man den Teilnehmern ein schriftliches Feedback zukommen lassen.

Gemeinsames Papier

Für morgen, Freitag, kündigte Haberzettl eine ähnliche Konferenz in der Steiermark an. Seines Wissens plane die GPA eine vergleichbare Veranstaltung. Für den Frühherbst seien von Seiten des ÖGB mehrere Konferenzen vorgesehen.

In einem außerordentlichem Vorstand am Nachmittag in Wien soll ein gemeinsames Papier abgesegnet werden, in dem sich die FSG dazu bekennt, keine ihrer Spitzenfunktionäre mehr in den Nationalrat zu entsenden und die SPÖ in der Wahl-Kampagne voll zu unterstützen. Gleichzeitig wird Eisenbahner-Chef Haberzettl zum neuen interimistischen Vorsitzenden gewählt. Wilhelm Beck hatte sich aus Protest gegen die gemeinsame Erklärung mit der Partei aus der Funktion zurückgezogen.

(APA)

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    Das Medieninteresse war enorm, als Wilhelm Haberzettl vor einer Betriebsräte­konferenz zu einem "Reformprozess" aufrief.

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