EU-Osten legt kräftig zu

30. Juli 2006, 17:54
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Das Wirtschaftswachstum legt erneut einen Zahn zu, auch die Arbeitslosigkeit sinkt - Sorgenkind ist Ungarn

Wien - Die Wirtschaft in den neuen EU-Ländern im Osten wächst heuer noch schneller als im vergangenen Jahr. Nur Ungarn hat bei dieser positiven Entwicklung etwas den Anschluss verloren. Dies geht aus der jüngsten Konjunkturanalyse des Wiener Instituts für Internationale Wirtschaftsvergleiche (WIIW) für die Länder Mittel-, Ost- und Südosteuropas hervor.

Die WIIW-Experten gehen davon aus, dass sich das Wirtschaftswachstum in Tschechien, Ungarn, Polen, der Slowakei und Slowenien heuer auf durchschnittlich fünf Prozent (2005: 4,3 Prozent) beschleunigen und 2007 auf 4,4 Prozent leicht zurückgehen wird. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote dieser fünf Länder wird nach 14,1 Prozent (2005) heuer auf 13,9 und im kommenden Jahr auf 13,7 Prozent sinken. Doch der dargestellte Durchschnitt verdeckt die Probleme Ungarns.

Ungarns Wirtschaft wird 2007 mit voraussichtlich 2,3 Prozent nur geringfügig schneller wachsen als jene der alten EU-Länder, gleichzeitig wird sich die Inflation auf sechs Prozent beinahe verdoppeln und die Arbeitslosigkeit von 7,2 Prozent (2005) heuer auf 7,9 und 2007 sogar auf 8,5 Prozent steigen.

Verfehlte Politik

"Ungarn bezahlt jetzt den Preis für eine verfehlt Fiskalpolitik", erklärte Ungarn-Experte Sandor Richter am Donnerstag vor Journalisten. In den anderen neuen EU-Ländern hat sich die Lage auf dem Arbeitsmarkt stetig verbessert, das beschleunigte BIP-Wachstum trägt nun wesentlich zur Schaffung von neuen Arbeitsplätzen bei.

So soll die durchschnittliche Arbeitslosenquote der fünf Länder Tschechien, Polen, Ungarn, Slowakei und Slowenien nach 14,1 Prozent (2005) heuer auf 13,9 und im kommenden Jahr auf 13,7 Prozent sinken - selbst mit dem Ausreißer Ungarn.

Arbeitsproduktivität steigt stärker als Löhne

Hintergrund dieser Entwicklung ist, dass in den meisten neuen EU-Ländern die Investitionen kräftig steigen, die Industrieproduktion floriert und die Arbeitsproduktivität schneller steigt als die Löhne. Die damit sinkenden Lohnstückkosten seien mit ein Grund für die erfolgreiche Außenhandelsentwicklung der neuen EU-Mitgliedsländer, ein anderer seien die Fortschritte bei der Umstrukturierung und Qualitätsverbesserung in der Produktion, heißt es in der Analyse.

Das WIIW hat auch die Entwicklung in Russland, der Ukraine und in China untersucht. Für Russland wird eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums von 6,4 Prozent im vergangenen Jahr auf heuer noch immer beachtliche 5,8 Prozent erwartet. Der Wachstumsrückgang in der Ukraine wurde gestoppt und Chinas Wirtschaftswachstum wird mit knapp zehn Prozent weiterhin konstant hoch sein, sagen die Experten. (miba, DER STANDARD Printausgabe, 07.07.2006)

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