Österreichischer Glocknerkönig

4. Juli 2007, 15:47
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Staatsmeister Bernhard Kohl gewinnt die Berg­wertung am Fuschertörl - Etappen­sieg an Belgier Ghyllebert - Pfannberger weiter in Gelb

Prägraten/Osttirol - Christian Pfannberger hat die erste Prüfung als Führender der Österreich-Radrundfahrt bestanden. Der 26-jährige Steirer, der am Vortag auf dem Kitzbüheler Horn triumphiert hatte, verteidigte am Donnerstag sein Gelbes Trikot als Siebenter auf der zweiten Hochgebirgs-Etappe von Kitzbühel über den Großglockner nach Prägraten am Großvenediger souverän. Den Tagessieg sicherte sich der Belgier Pieter Ghyllebert vor dem Ukrainer Rusland Pidgornij und dem Italiener Vincenzo Nibali.

Kohl Glocknerkönig

Der Titel des "Glocknerkönigs" ging erstmals seit 1993 wieder an einen Österreicher. 13 Jahre nach Dietmar Hauer entschied der Niederösterreicher Bernhard Kohl die Bergwertung beim Fuschertörl für sich, kam aber bei der Abfahrt vom Hochtor zu Sturz. "Wenn ich gestern auf dem Horn schon meine Ehre am Berg verloren habe, dann wollte ich sie heute wieder herstellen. Das war mein Ziel", erklärte der österreichische Meister, dem in der Gesamtwertung als Siebentem bereits 2:38 Minuten auf Pfannberger fehlen.

Der härteste Konkurrent des Steirers um den Gesamtsieg bei der 58. Österreich-Rundfahrt dürfte am Samstag im Zeitfahren wie erwartet Topfavorit Tom Danielson werden, der 56 Sekunden auf Pfannberger aufholen muss. Der US-Amerikaner klassierte sich in Prägraten zeitgleich mit dem Leader 57 Sekunden hinter Etappensieger Ghyllebert. Die Tiroler Gerhard Trampusch und Thomas Rohregger liegen als Vierter bzw. Fünfter im Kampf um einen Podestplatz am Sonntag in Wien ebenfalls noch gut im Rennen.

Elk auf Kurs

Pfannbergers Elk-Team hatte die vierte von sieben Etappen kontrolliert. "Besser kann es nicht laufen, die Arbeit war fantastisch", meinte der 26-Jährige, der zuletzt wie sein gesamtes Team an Magen- und in weiterer Folge Kreislaufproblemen gelitten hatte. "In der Früh habe ich mir noch gedacht, dass ich diese Etappe nicht überlebe. Im Endeffekt ist es aber sogar fast noch besser gelaufen als gestern. An den Gesamtsieg denke ich aber noch nicht", versicherte Pfannberger, der die Attacke von Kohl auf dem Glockner nicht gekontert hatte.

Der T-Mobile-Profi hatte sich fünf Kilometer vor der Bergwertung von der Spitzengruppe abgesetzt und bis zum Fuschertörl rund 50 Sekunden Vorsprung auf die von Rohregger angeführten Verfolger herausgefahren. Auf den Aufstieg des Glocknerkönigs folgte aber bereits auf der Abfahrt dessen Fall. Kohl stürzte auf der rasanten Abfahrt vom 2.575 Meter hohen "Dach der Tour", kam aber glimpflich davon.

In 51:32 Minuten am Berg

Mit einer Auffahrtszeit von 51:32 Minuten für die 13 Kilometer ab der Mautstelle Ferleiten war Kohl deutlich hinter dem Glockner-Rekord geblieben, den sich der Tscheche Tomas Konecny und der spanische Vorjahressieger Juan Manuel Mercado teilen (47:46). Auf dem Bergabstück vom Hochtor ergriff der erst 21-jährige Nibali solo die Flucht, wurde aber nach 90 Kilometern und einem ansteigenden Schlussteil nach Prägraten von Ghyllebert und dem in der Gesamtwertung auf Platz drei liegenden Pidgornij überholt.

"Mir ist das Gleiche nach einer langen Flucht schon zweimal passiert, heute habe ich den Spieß umgedreht", strahlte Ghyllebert nach seinem ersten Profisieg. Der Belgier war erst nach dem Glockner wieder an die Spitzengruppe mit allen Assen herangefahren. "Ich bin eigentlich kein Mann für die langen, schweren Berge. Aber heute ist es sehr gut gelaufen." (APA)

Ergebnisse der vierten Etappe der 58. Österreich-Radrundfahrt vom Donnerstag: Kitzbühel - Prägraten am Großvenediger (182 km):

1. Pieter Ghyllebert (BEL) Chocolade Jacques 5:06:42 Std. - 2. Ruslan Pidgornij (UKR) Tenax +0:04 Min. - 3. Vincenzo Nibaldi (ITA) Liquigas +0:19 - 4. Geert Verheyen (BEL) Quick Step 0:56 - 5. Gerhard Trampusch (AUT) Wiesenhof-Akud 0:57 - 6. Marco Marzano (ITA) Lampre - 7. Christian Pfannberger (AUT) Elk Haus - 8. Massimo Giunti (ITA) Naturino - 9. Tom Danielson (USA) Discovery Channel alle gl. Zeit - 10. Jürgen van Goolen (BEL) Discovery Channel 0:59 - 11. Johann Tschopp (SUI) Phonak 1:00 - 12. Janez Brajkovic (SLO) Discovery Channel 1:00 - 13. Bernhard Kohl (AUT) T-Mobile 1:03 - 14. Thomas Rohregger (AUT) Elk Haus 1:03 - 15. Andreas Ortner (GER) Swiag-Teka 1:10. Weiter: 20. Paul Kasis (AUT) Plast-Recycling 1:41 - 22. Jürgen Pauritsch (AUT) APOsport Linz 1:43 - 25. Gerrit Glomser (AUT) Volksbank Vorarlberg 1:44 - 26. Andreas Matzbacher (AUT) Volksbank Vorarlberg 1:44 - 31. Michael Weiss (AUT) APOsport Linz 4:01 - 36. Harald Totschnig (AUT) Elk Haus 6:50

Gesamtwertung: 1. Pfannberger 17:51:47 Std. - 2. Danielson +0:56 Min. - 3. Pidgornij +1:03 - 4. Trampusch 1:08 - 5. Rohregger 1:27 - 6. Marzano 2:28 - 7. Kohl 2:38 - 8. Glomser 3:35 - 9. Tschopp 4:27 - 10. Van Goolen 4:58. Weiter: 14. Ghyllebert 6:07 - 24. Weiss 8:15 - 25. Matzbacher 8:20 - 29. Pauritsch 10:48 - 31. Harald Totschnig 11:31 - 32. Kasis 11:57

Bergwertung: 1. Rohregger 25 Punkte - 2. Podgornij 18 - 3. Pfannberger 17 - 4. Kohl 16 - 5. Marzano 15 Sprintwertung: 1. Florian Stalder (SUI) Phonak 12 Punkte - 2. Lloyd Mondory (FRA) AG2R 8 - 3. Fabio Baldato (ITA) Tenax 6 - 4. Hans Peter Obwaller (AUT) Swiag-Teka 6

Wertungen des Tages: 1. Bergwertung (Großglockner, Fuschertörl/2.423 m Seehöhe/Ehrenkategorie): 1. Kohl - 2. Rohregger - 3. Marzano - 4. Matzbacher - 5. Pidgornij 2. Bergwertung (Großglockner, Hochtor/2.575 m/2. Kategorie): 1. Marzano - 2. Rohregger - 3. Pidgornij - 4. Pfannberger - 5. Kohl 3. Bergwertung (Iselsberg/1.204 m/3.): 1. Nibali - 2. Rohregger - 3. Marzano 4. Bergwertung (Virgen/1.210 m/2.): 1. Nibali - 2. Ghyllebert - 3. Pidgornij - 4. Rohregger - 5. Trampusch Sieger Sprintwertungen (2): Stalder, Nibali

5. Etappe am Freitag (Start 12:30 Uhr): Wolfsberg - Graz (170 km)

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    Kohl, Chef am Berg.

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