Software AG fordert Kooperation europäischer Softwarefirmen

14. Juli 2006, 10:21
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"Die Softwareindustrie in Europa hat eine zu hohe Fertigungstiefe, weil jeder sein komplettes Produkt selbst entwickelt"

Der Chef der Darmstädter Software AG hat engere Kooperationen von Softwarefirmen in Europa gefordert, um den Amerikanern besser Paroli zu bieten.

"Die europäischen Softwarehersteller sollten enger zusammenarbeiten, um gemeinsam am Markt wettbewerbsfähige Alternativen zu den amerikanischen Branchenführern anbieten zu können", sagte Karl-Heinz Streibich dem "Handelsblatt" (Donnerstagausgabe). "Die Softwareindustrie in Europa hat eine zu hohe Fertigungstiefe, weil jeder sein komplettes Produkt selbst entwickelt", kritisierte er.

Die Stellung der Softwareindustrie in Europa habe sich nach seiner Ansicht im Vergleich zu den Branchengrößen aus den USA wie Microsoft, Oracle und Symantec in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert. Das liege auch daran, dass in den Unternehmen der Trend weg von selbst entwickelten Programmen zum Einsatz von Standardsoftware gehe, bei der die US-Anbieter den Markt dominierten.

Streibich forderte - ähnlich wie in der Autoindustrie - eine gemeinsame Plattform der Softwarefirmen. Langfristig könne er sich sogar eine Allianz wie in der Luftfahrt vorstellen. "Wir haben es im High-Tech-Sektor Flugzeugbau mit Airbus geschafft, an die Weltspitze aufzurücken, warum sollte uns das nicht auch in der Softwareindustrie gelingen", sagte Streibich der Zeitung.

Der größte europäische Softwarekonzern SAP zeigte sich gegenüber einer solchen Kooperation skeptisch. Vorstandschef Henning Kagermann sagte dem "Handelsblatt": "Es ist nicht sehr sinnvoll, den Vorsprung der Amerikaner im Markt für Standardsoftware durch die Entwicklung ähnlicher Produkte einholen zu wollen." Sinnvoll sei vielmehr auf eine stärkere Verzahnung zwischen IT und traditioneller Industrie. Kagermann sagte, Software werde Autos oder Maschinen eine immer stärkere Rolle spielen. "Bei solcher so genannter Embedded Software hat Europa mit Hilfe gezielter Förderung und Forschung gute Chancen, weltweit führend zu werden."(Reuters)

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