Heute: Das Dach der Tour

6. Juli 2006, 13:15
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Hochalpenstraße am Großglockner in 58. Rundfahrt zum 52. Mal befahren - Kohl: "Jeder Österreicher will dort einmal gewinnen"

Kitzbühel - Um Österreichs höchsten Berggipfel ranken sich auch im Radsport Mythen und Legenden um Triumphe und Tragödien. Der Großglockner ist nicht nur der höchste Punkt der Österreich-Rundfahrt, sondern war in den vergangenen 57 Jahren mehrmals auch deren "Schicksalsberg". Die Hervis Tour 2005 war auf der Hochalpenstraße entschieden worden, nachdem ein Wintereinbruch den Abbruch der Königsetappe beim 2.423 m hoch gelegenen Fuschertörl erzwungen hatte.

Mit dem Triumph bei der Bergankunft legte Juan Manuel Mercado im Vorjahr den Grundstein zu seinem Gesamtsieg. Der Spanier bewältigte den 13 km langen Anstieg von der Mautstelle Ferleiten trotz widriger Bedingungen in der geteilten Rekordzeit von 47:46 Minuten. Vom Ortsende von Fusch bis zur Bergwertung der Ehrenkategorie sind auf insgesamt 21 Kilometern 1.616 m Höhenmeter zu bewältigen. Das traditionelle "Dach der Tour", das Hochtor, liegt sogar noch 151 m höher.

Bereits zum 52. Mal wurde die Hochalpenstraße mit ihren engen Kehren am Donnerstag von der Österreich-Rundfahrt befahren, 2000 sogar von beiden Seiten, aus Fusch und aus Heiligenblut. Der Großglockner, die höchste Erhebung des Tauern-Gebirges, gilt als Berg der Könige. "Jeder Österreicher will dort einmal gewinnen", meinte der amtierende österreichische Straßenmeister Bernhard Kohl vor der vierten Etappe mit Start in Kitzbühel und Ziel in Prägraten in Osttirol.

Als bis dato letzter Glocknerkönig aus Österreich hatte sich 1993 der zweifache Rundfahrt-Sieger Dietmar Hauer (1988 und 1990) feiern lassen. Rekordsieger auf dem "Dach der Tour" ist Rudolf Mitteregger, der in den 70er Jahren viermal auf dem Glockner triumphiert hatte. Der Steirer wird am Samstag im Rahmen des Zeitfahrens der 58. Österreich-Rundfahrt auf dem Platz der Radchampions in Podersdorf am Neusiedlersee verewigt - unter anderem gemeinsam mit dem legendären Italiener Francesco Moser.

Der Giro d'Italia, den der ehemalige Weltmeister und Stunden-Weltrekordler Moser 1984 gewonnen hatte, machte ebenfalls bereits einmal auf dem Glockner Station. Die Franz-Josefs-Höhe (2.369 m) war 1971 Schauplatz einer Bergankunft. Der Italiener Pierfranco Vianelli ging beim Aussichtspunkt für die Pasterze, den trotz negativen Wachstums größten Gletscher der Ostalpen, als Sieger in die Annalen ein. Den Giro gewann vor 35 Jahren völlig überraschend der Schwede Gösta Petterson.(APA)

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