Pestizid-Cocktails

29. Jänner 2007, 14:20
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Arbeiterkammer warnt vor steigender Zahl von Pestiziden und Mehr­fachrückständen von Pflanzenschutz­mitteln in Obst und Gemüse

Innsbruck - Obst und Gemüse ist gesund und sollte laut Ernährungswissenschaft von jedem Konsumenten mindestens zweimal täglich verzehrt werden. Aber wie belastet sind diese Produkte nach dem Einsatz der "chemischen Keule" wirklich? Die besorgniserregende Antwort: wir wissen es nicht.

Unbekannte "Tellermine"

Univ.-Prof. Werner Pfannhauser vom Institut für Lebensmittelchemie und -technologie an der Technischen Universität Graz erklärte, dass eine Abschätzung des Risikos von Mehrfachrückständen noch ausstehe. Der Verdacht liege aber nahe, dass diese Krebs erregend, Allergie auslösend und Hormon beeinflussend seien.

Grenzwerte für Erwachsene

Außerdem sei der gesetzliche Höchstwert der einzelnen Pestizide für Erwachsene konzipiert. "Das Problem ist bei Kindern und Jugendlichen noch größer, da sie eine andere Stoffwechselfähigkeit besitzen", meinte er.

Stichproben - Untersuchung

Die Untersucheungen der AK Tirol erheben keinen Anspruch darauf "repräsentativ" im Sinne einer umfassenden Klärung der Gesamt−Belastungssituation zu sein. Ziel ist es vielmehr ernste Missstände aufzudecken, um deren Beseitigung zu erreichen.

Besorgniserregende Tendenz

Die Zahl der verschiedenen Pestizide, die auf und in den einzelnen Proben gefunden werden, steigt kontinuierlich an. Wurden im Jahr 2003 auf den Proben noch ein bis zwei verschiedene Pestizide festgestellt, so finden sich im Jahr 2005 bis zu 15 verschiedene Pestizide und im Jahr 2006 bis zu 13 verschiedene Spritzmittel in den Proben.

Kombinationswirkung unberücksichtigt

Nur die Überschreitung jedes einzelnen Grenzwertes wird gewertet und im Falle einer Überschreitung der Höchstmenge ist die Ware nicht verkehrsfähig. Überschreitung bedeutet eine mögliche Gesundheitsgefährdung, es liegt ein Verstoß gegen das Lebensmittelgesetz vor. Diese Methode der Einzelgrenzwerte berücksichtigt aber nicht die Summen− und Kombinationswirkung.

Summengrenzwert nicht geregelt

Sind mehrere Pestizide gleichzeitig auf einem Produkt zu finden, wobei jeder einzelne Rückstand unterhalb des jeweiligen Grenzwertes bleibt, darf die Ware verkauft werden. So genannte Summengrenzwerte sind derzeit nicht geregelt, sie wären aber gerade bei verwandten Wirkstoffen wichtig.

Nicht fachgerechte Praxis

Das Zusammenwirken der verschiedenen Pestizide bleibt ansonsten unberücksichtigt. Die Verwendung von verschiedenen Pestiziden lässt auf eine nicht fachgerechte landwirtschaftliche Praxis schließen.

Umgehen der Grenzwert Überschreitung

Oft soll die Überschreitung von Grenzwerten durch ähnlich wirkende Pestizide umgangen werden. Die in den Proben der AK Tirol festgestellten Pestizide gliederten sich in folgende Gruppen: Akarizide (gegen Spinnmilben), Fungizide (gegen Pilzbefall) und Insektizide (gegen Insekten).

Beispielsweise wurden in Proben vier unterschiedliche Pestizide gegen Pilzbefall und acht gegen Insekten festgestellt.

Pestizide und Kleinkinder

Kleinkinder nehmen im Vergleich zu ihrem Körpergewicht cirka drei− bis viermal soviel Nahrung auf wie Erwachsene. Ihr Organismus ist daher wesentlich anfälliger gegen Störungen durch Gift. Das wird bei Gläschenkost berücksichtigt. Bestimmte Pestizide dürfen gar nicht vorkommen (gilt als erfüllt, wenn in der Analyse nicht mehr als 0,003 mg/kg nachgewiesen).Diese strengen rechtlichen Anforderungen gelten jedoch nicht für frisches Obst und Gemüse.

Studien aus den USA belegen, dass Kinder die konventionell angebaute Agrarprodukte essen, im Urin eine deutlich höhere Pestizidkonzentrationen aufweisen, als Kinder die Bio−Lebensmittel essen.

Forderungen für Konsumenten

Die AK fordert verstärkte Eigenkontrollen der Hersteller und Importeure, mehr amtliche Kontrollen auf Pestizide, eine verstärkte Forschung im Hinblick auf die additive Wirkung von Pestiziden und eine Festlegung von Summengrenzwerten.

Bioprodukte und Saisonales

Den Konsumenten rät sie, regionales und saisonales Obst und Gemüse zu bevorzugen und dadurch die Belastung zu minimieren. Auch das Ausweichen auf Bioprodukte sei sinnvoll.(APA)

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Testergebnis der Arbeiterkammer Tirol
  • Artikelbild
    foto: bmlfuw
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