Eurobarometer: Arbeitslosigkeit ist größte Sorge der Österreicher

16. Jänner 2008, 19:38
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"Nationaler Bericht" zum Eurobarometer präsentiert - 59 Prozent wünscht sich eine gemeinsame Außenpolitik der Mitgliedsstaaten

Wien - Die Zustimmung der Österreicher zur EU hat sich während der österreichischen EU-Ratspräsidentschaft leicht verbessert. Dies ist das Ergebnis des "Nationalen Berichts" für Österreich, der in das aktuelle Eurobarometer 65 einfließt. Der "Nationale Bericht" wurde am Montag in Wien bei einer Pressekonferenz der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich vorgestellt. Unter allen 25 EU-Staaten bleibt Österreich dennoch Schlusslicht bei der Unterstützung der EU-Mitgliedschaft und der Erweiterung der Union.

Ein "gutes Bild"

So haben heute 32 Prozent der Österreicher ein gutes Bild von der EU, vor einem halben Jahr waren es nur 24 Prozent. Besondere Sorgen bereitet den Österreichern laut Bericht der Arbeitsmarkt. Auf die Frage, was die EU den Österreichern bedeutet, gaben 52 Prozent an erster Stelle den Euro (EU-Schnitt 39 Prozent) und an zweiter Stelle 43 Prozent die Arbeitslosigkeit (EU-Schnitt 18 Prozent) an. Die Themen "Frieden" und "Demokratie" rangieren mit 27 beziehungsweise 16 Prozent (EU-Schnitt 33 bzw. 24 Prozent) an siebenter und achter Stelle bei der Frage nach den Assoziationen mit der EU.

Gemeinsame Außenpolitik gewünscht

Mit 59 Prozent wünscht sich eine Mehrheit der Österreicher eine gemeinsame Außenpolitik der EU-Mitgliedsstaaten (EU-Schnitt 67 Prozent) und 55 Prozent der Österreicher (EU-Schnitt 75 Prozent) sind für eine gemeinsame Verteidigungs- und Sicherheitspolitik der EU-Mitglieder. Diese vergleichsweise gute Wahrnehmung rührt vermutlich "von der starken und entschiedenen Aktivität der EU während des Befragungszeitraums" her, heißt es im "Nationalen Bericht". So seien die EU-Regierungen im Frühling dieses Jahres in der Iran-Causa, im Nahost-Friedensprojekt sowie am westlichen Balkan engagiert gewesen. Auch die Kongo-Mission und die Sanktionen gegen die weiß-russische Regierung hätten dazu beigetragen. Dabei stimmten ganz in Übereinstimmung mit dem EU-Schnitt 80 Prozent der Österreicher eher für eine EU-Außenpolitik unabhängig von den USA.

"Passive Frauen"

Verena Ringler, Autorin des "Nationalen Berichts" Österreich für das Eurobarometer, stellte auf die Frage, warum Österreich Schlusslicht sei, drei Thesen auf. Laut Ringler sind in Österreich die Probleme der EU "nicht das Land sondern die Kleinstädte, nicht die Arbeiter, sondern ganz stark die Arbeitslosen und Angestellten und nicht die aktiven EU-Basher sondern passive Frauen mit großem Wissensdefizit". Ringler sprach in diesem Zusammenhang von einem "Gender Gap". In der Umfrage hätten die österreichischen Männer eher ein positives Bild von der EU gehabt, während Frauen häufiger negativ oder mit "weiß nicht" geantwortet hätten.

"Spät zu sich selbst gefunden"

Der Leiter der Vertretung der Europäischen Kommission in Österreich, Karl Doutlik, sieht vier Punkte als hauptverantwortlich für die eher negativen Umfragewerte in Österreich. So hätten die Österreicher "erst relativ spät zu sich selbst gefunden". Daher sei die lokale und nationale Identität besonders stark ausgeprägt. Zweitens sei der "nationale Konsens" über das Thema EU 2000 "zerbrochen". Ein weiteres Phänomen sei das "EU-Bashing" oder "Brüssel-Bashing". So hat Österreich laut Doutlik in den letzten Jahren in der EU Ranking-Skala Parameter wie etwa das BIP betreffend "enorm aufgeholt". Ein derartiger Vorgang ginge "nicht schmerzfrei" ohne soziale Einschnitte von statten, verantwortlich dafür gemacht würde, "wer weit weg sei", so Doutlik. Ein vierter Grund für das schlechte Abschneiden der Österreicher sieht er in den EU-Sanktionen gegen Österreich im Jahr 2000. Dies habe die Österreicher "verunsichert."

Persönlichen Perspektiven

Zwischen dem 27. März und dem 1. Mai dieses Jahres wurden 1.017 Österreicher im Zuge des halbjährlichen europaweiten Eurobarometers im Auftrag der Europäischen Kommission vom Österreichischen Gallup Institut zu ihren Einstellungen zur EU und zu nationalen und persönlichen Perspektiven befragt. Insgesamt inkludiert das Eurobarometer 65 (Frühjahr 2006) die Meinungen von knapp 30.000 Bürgern aus den 25 EU-Mitgliedsstaaten, den Beitrittsländern Bulgarien und Rumänien sowie den Kandidatenländern Kroatien und Türkei und der türkisch-zypriotischen Gemeinschaft. (APA)

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