Ein van Gogh vom Flohmarkt?

12. Juli 2006, 10:50
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Genfer Antiquar trotzt der Skepsis von Experten

Genf/Paris - Der Genfer Antiquar Jules Petroz glaubt, dass er vor drei Jahren möglicherweise einen echten van Gogh auf dem Flohmarkt gekauft hat. Experten sind skeptisch, doch der Antiquar gibt seinen Traum nicht auf, dass er ein Selbstporträt des holländischen Meisters besitzen könnte.

Als der Antiquar auf einem Genfer Flohmarkt im April 2003 das Selbstporträt entdeckte, fühlte er sich eingenommen vom Blick des Mannes auf dem Gemälde mit hochgezogenen Augenbrauen unter einem Hut. Seine Nachforschungen ergaben, dass das Werk aus der Pariser Zeit des holländischen Meisters Vincent van Gogh stammen könnte. Von 1886 bis 1988 malte van Gogh etwa 20 Selbstporträts, von denen er die meisten nicht signierte.

Schmales Gesicht

Der Maler lebte damals in Paris zuerst bei seinem Bruder Theo, bevor er eine Kammer mit einem Freund teilte. Van Gogh wurde krank, musste operiert werden und verlor viel Gewicht. Dies könnte laut dem Antiquar Petroz eine Erklärung für das schmale Gesicht auf dem Selbstporträt sein, wie er auch der Gratiszeitung "20 Minutes" sagte.

Ob der auf dem Flohmarkt gekaufte van Gogh echt ist oder nicht, ist nicht ganz einfach herauszufinden und liegt ausschließlich in der Einschätzung des Van-Gogh-Museums von Amsterdam. Petroz hatte im November 2004 einmal eine Fotografie des Gemäldes nach Amsterdam geschickt und eine negative Antwort erhalten: Das Werk könne nicht van Gogh zugeordnet werden, hieß es.

Autorisierungsprozess kompliziert

Der französische Kunsthistoriker Pascal Bonafoux zeigte sich in Bezug auf die Urheberschaft des fraglichen Gemäldes ebenfalls skeptisch. Er bestätigte aber, dass der Autorisierungsprozess kompliziert sei, weil das Van-Gogh-Museum in Amsterdam das Exklusivrecht beanspruche. Andere Museen weigerten sich, eine Stellungnahme abzugeben und die renommierten Auktionshäuser hielten sich an die strikten Regeln. Dies hat auch finanzielle Gründe. Auf dem Kunstmarkt hätten Meisterwerke von van Gogh einen derart enormen Wert, dass sich niemand anders sich über die Echtheit der Gemälde zu äußern wage, sagte der Kunsthistoriker.

Antiquar Petroz gibt sich aber noch nicht geschlagen und träumt weiter, allein schon aus früherer Erfahrung. Im Jahr 1997 hat er auf einem Genfer Flohmarkt ein Gemälde entdeckt, das er dem französischen Meister Edouard Manet zuordnet. Bis heute wurde das Werk nicht offiziell autorisiert. Immerhin wurde das Gemälde in einen Katalog der französischen Nationalmuseen aufgenommen, was ihm eine gewisse Anerkennung geben dürfte. (APA/AP)

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