Nordkorea droht im Fall von Sanktionen mit "radikalen Gegenmaßnahmen"

6. Juli 2006, 14:29
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Raketentests sollen trotz Protesten fortgesetzt werden - US-Außenministerin Rice reist nach Seoul

Seoul/Tokio - Trotz weltweit scharfer Proteste und Sanktionsdrohungen will Nordkorea seine Raketentests fortsetzen. Das nordkoreanische Außenministerium drohte am Donnerstag zugleich mit "radikalen Gegenmaßnahmen", sollte jemand versuchen, Nordkorea das Recht auf Raketentests abzusprechen oder Druck auf das Land auszuüben. Die Raketenstarts vom Vortag wurden in der von der amtlichen Nachrichtenagentur KCNA veröffentlichten Erklärung als Teil einer Routine-Militärübung "zur Stärkung der Selbstverteidigung" bezeichnet. Die Starts seien erfolgreich gewesen und sollten fortgesetzt werden.

Weiter Raketen startbereit

Es war die erste offizielle Stellungnahme aus Pjöngjang zu den Starts von sieben Raketen, die weltweit kritisiert wurden. Unter den Raketen befand sich eine Langstreckenrakete vom Typ Taepodong-2, die nach Einschätzung des US-Militärs einen nuklearen Sprengkopf in die USA tragen kann. Der Test war jedoch nach südkoreanischen und US-amerikanischen Angaben gescheitert. Nach südkoreanischen Berichten hat das nordkoreanische Militär bereits drei bis vier weitere Raketen kurzer oder mittlerer Reichweiten startbereit gemacht.

Nordkorea bereitet laut einem Fernsehbericht auch einen weiteren Test einer Langstreckenrakete vor. Offenbar würden derzeit die nötigen Vorarbeiten geleistet, um eine Taepodong-2 zu testen, berichtete der US-Fernsehsender NBC am Mittwoch (Ortszeit) unter Berufung auf US-Regierungsvertreter. Die Rakete sei noch nicht an der Abschussrampe, aber in der Abschlussmontage.

"Umfassende Gegenmaßnahmen"

"Unsere Streitkräfte werden ihre Test zum Start von Raketen fortsetzen", zitierte die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap am Donnerstag das nordkoreanische Außenministerium. Dies gehöre zu den "normalen Militärübungen", mit denen Nordkorea seine Selbstverteidigung ausbauen wolle. Wenn irgendjemand Druck auf die Führung in Pjöngjang ausübe, "müssten wir dies mit stärkerem physischen Einsatz erwidern". Der nordkoreanische UN-Gesandte Han Song Ryol in New York sagte dem japanischen Fernsehsender TBS: "Wenn Sanktionen ergriffen werden, wird dies zu umfassenden Gegenmaßnahmen führen". Nordkorea habe als souveräner Staat das Recht auf Raketentests.

Japanischer Resolutionsentwurf

Japan hatte am Mittwoch dem Weltsicherheitsrat einen Resolutionsentwurf vorgelegt, in dem das Abfeuern der Raketen als "Bedrohung des internationalen Friedens und der Sicherheit" gewertet und mit Sanktionen gedroht wird. Darin heißt es, dass der "Transfer von Finanzressourcen, Gütern, Materialien und Technologie, die für Raketenprogramme oder andere Massenvernichtungswaffenprogramme benutzt werden könnten, verhindert werden soll".

Es wird jedoch erwartet, dass der Paragraph zu den Strafmaßnahmen aus dem Entwurf gestrichen werden würde, da Russland und China Sanktionen gegen Pjöngjang ablehnen. Experten des Sicherheitsrats wollten am Donnerstagvormittag (Ortszeit, 17.00 Uhr MESZ) erneut über das Papier beraten.

Bush telefonierte mit Koizumi

US-Präsident George W. Bush und der japanische Regierungschef Junichiro Koizumi verständigten sich am Donnerstag darauf, gemeinsam auf eine "feste Position" des UN-Sicherheitsrats gegenüber Pjöngjang zu drängen. Beide seien sich in einem Telefonat einig gewesen, dass die internationale Gemeinschaft die Raketentests verurteilen müsse, sagte ein Sprecher des japanischen Außenministeriums.

Bush besprach sich auch mit dem südkoreanischen Präsidenten Roh Moo-Hyun. In dem Telefongespräch habe der US-Präsident betont, dass er weiter eine "diplomatische Lösung durch die Sechs-Parteien-Gespräche" anstrebe, sagte eine Sprecherin des Weißen Hauses in Washington.

US-Außenministerin Condoleezza Rice will Ende Juli nach Südkorea reisen. Dies teilte das Außenministerium in Seoul am Donnerstag mit. Rice werde ihren zweitägigen Besuch in der südkoreanischen Hauptstadt mit Gesprächen auch in anderen Ländern der Region verbinden, sagte ein Ministerialbeamter der Nachrichtenagentur AP. So plane die US-Außenministerin Besuche in China und Russland. Einzelheiten der Reise würden in Kürze in Washington bekannt gegeben. (APA/dpa/AP)

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    Die US Navy testet vor Hawaii ihre Raketenabwehrsysteme

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