Büßen für Berliner Beton

6. Juli 2006, 19:33
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Österreicher nach "Kunstaktion" wegen Körperverletzung angezeigt

Beton - es kommt darauf an, was man daraus macht. Zwei junge Österreicher haben damit harmlose Fußbälle gefüllt und die rund zehn Kilogramm schweren Kugeln dann im WM-seligen Berlin ausgelegt. Damit haben sich Maximilian L. (26) und sein Bekannter Attila (29) allerdings eine Anzeige wegen "gefährlicher Körperverletzung"und "gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr"eingefangen.

Die Bälle waren Ende Juni in den Berliner Innenstadt-Bezirken Mitte und Kreuzberg sowie im östlichen Pankow aufgetaucht - mit einer Kette an Laternen, Bäumen oder Verkehrszeichen befestigt. "Can u Kick It", fragte es daneben auffordernd in rosaroter Sprühfarbe. Aber sicher, dachten sich einige Berliner und traten zu. Das Ergebnis: ein gebrochener Zeh bei einer 16-jährigen, Schmerzen im rechten Fußgelenk bei zwei Männern, 21 und 23 Jahre alt.

Der Staatsschutz in Berlin ermittelte tagelang und fand schließlich nicht nur 16 über die Berliner Innenstadt verteilte Betonbälle, sondern auch die Initiatoren der Aktion, von denen einer aus Bad Ischl stammen soll. "Die Beweislage war erdrückend", hieß es dazu bei der Berliner Polizei. Denn in der Wohnung lagen Sprühflasche, aufgeschnittene Lederhüllen und bereits mit Beton präparierte Bälle. Da die beiden Männer bisher bei der Berliner Polizei nicht aktenkundig sind, wurden sie auf freien Fuß gesetzt.

Mittlerweile hat sich die Künstlervereinigung "Mediengruppe LM/LN"für die nicht genehmigte Aktion entschuldigt: "Dass sich Menschen bei dieser Aktion verletzt haben, tut uns Leid."Ihr Projekt "Concrete Soccer"sei eine "Symbolisierung des Massenphänomens Fußball in Beton gegossen"gewesen. Die schweren Wuchteln habe man als "Kunstwerke markiert", keinesfalls seien sie als "Gefahrenquellen"oder "Fallen"gedacht gewesen.

Und weil dort "Can u Kick It"gestanden habe, müsse man das ja nicht gleich umsetzen. Vielmehr sei auch die harmlosere, weil nicht mit Kicken verbundene Assoziation "Fußball geht uns alle an oder Fußball ist überall"möglich. Die Gruppe hat nach eigenen Angaben auch "erfreulichere Reaktionen"als die Anzeigen bekommen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 7. Juli 2006, Birgit Baumann aus Berlin)

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