Fünf Menschen bei Angriff auf deutsches Fahrzeug getötet

18. Juli 2006, 14:45
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Kenianischer Mitarbeiter einer Hilfsorganisation vermisst

Juba/Eschborn - Im Südsudan haben bewaffnete Männer ein Fahrzeug der deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) aus dem Hinterhalt beschossen und dabei mindestens fünf Sudanesen getötet und elf weitere verwundet. Augenzeugen berichteten der Nachrichtenagentur AFP am Mittwoch, rund 30 Bewaffnete, mutmaßliche Mitglieder der ugandischen Rebellenbewegung Lord's Resistance Army (LRA), hätten den GTZ-Kleintransporter am Montag rund 19 Kilometer westlich der Provinzhauptstadt Juba angegriffen.

Ein Sprecher der LRA-Delegation bei den Friedensgesprächen mit der ugandischen Regierung in Juba bestritt gegenüber AFP entschieden, dass seine Organisation an dem Angriff beteiligt war. Bei der GTZ-Zentrale in Eschborn bei Frankfurt am Main herrschte Entsetzen über die Vorkommnisse.

Fünf Jugendliche getötet

Den Zeugenangaben zufolge wurden fünf sudanesische Jugendliche, die auf der offenen Ladefläche des Kleinlasters saßen, getötet. Sicherheitskräfte, die sich in dem Fahrzeug befanden, erschossen demnach einen der Angreifer. Ein kenianischer GTZ-Mitarbeiter wurde seitdem vermisst. Der Laster transportierte örtliche Mitarbeiter der Hilfsorganisation, Sicherheitskräfte sowie etwa 20 Fahrgäste.

Die GTZ baut im Südsudan eine Straße von Juba nach Bor. Seine Gesellschaft sei besorgt wegen der Sicherheit in der Region, sagte der in Juba für die Hilfsprogramme der GTZ im Sudan zuständige Herbert Kremeier. Nach dem vermissten Kenianer werde mit Hilfe von UN-Hubschraubern gesucht.

"Die Kugeln flogen uns um die Ohren", berichtete der Sudanese Paul Agos, einer der Sicherheitskräfte, die den GTZ-Transporter begleiteten. "Ich fiel vom Laster und habe einen erschossen. Da flohen sie alle in die Büsche."

Weitere Augenzeugen berichteten, einige der Angreifer hätten Uniformen getragen. Es seien Rebellen der LRA gewesen. Sie hätten den im Norden Ugandas verbreiteten Acholi-Dialekt gesprochen; in dem Gebiet, wo der GTZ-Laster angegriffen wurde, seien LRA-Rebellen aktiv. Der LRA-Sprecher Obonyo Olweny sagte, seine Gruppierung habe mit dem Vorfall nichts zu tun.

Ein Sprecher der Hilfsorganisation in Eschborn sprach von einem "einzigartigen Vorfall" in der Geschichte der GTZ, die unter anderem auch in Afghanistan tätig ist. Er drückte den Angehörigen im Namen der GTZ sein Mitgefühl aus und äußerte die Hoffnung auf eine rasche und vollständige Genesung der Verletzten.

Vertreter der ugandischen Regierung und der Rebellen wollen ab kommender Woche in Juba über ein Ende des fast 20 Jahre andauernden Konflikts in dem an den Südsudan angrenzenden Norden Ugandas verhandeln. Schätzungen zufolge wurden bei den Auseinandersetzungen zehntausende Menschen getötet und fast zwei Millionen vertrieben. Menschenrechtsorganisationen werfen der Rebellenorganisation Lord's Resistance Army vor, bis zu 25.000 Kinder und Jugendliche verschleppt zu haben, um sie als Soldaten im Kampf gegen die Regierung von Präsident Yoweri Museveni oder als Sexsklavinnen zu missbrauchen. Die Rebellen beschuldigen ihrerseits die Regierung, in Norduganda Verbrechen verübt zu haben. (APA)

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