Direktor des Völkerkundemuseums: "Montezumas Federkrone" soll in Wien bleiben

12. Juli 2006, 14:40
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Grüne und SPÖ für Rückgabe des präkolumbischen Kopfschmucks an Mexiko, Feest dagegen: Entscheidung hätte Folgen für gesamte Museums- und Kunstwelt

Wien - SPÖ und Grüne plädierten am Mittwoch im außenpolitischen Ausschuss für die Rückgabe der im Museum für Völkerkunde aufbewahrten "Federkrone Montezumas" an Mexiko. Man solle sich auf diese Weise für die Haltung Mexikos bedanken, das 1938 als erstes Land gegen die Okkupation Österreichs durch Nazideutschland protestiert habe. Angesichts der Bedeutung des präkolumbischen Kopfschmucks für die Mexikaner sollte Österreich sich mit der bisher in Mexiko-Stadt gezeigten Kopie begnügen.

Museumsdirektor: "Rechtmäßiger Besutz"

Gegen eine Rückgabe sprach sich der Direktor des Völkerkundemuseums, Christian Feest, aus. Die Behauptung, es handle sich um die Krone des Aztekenherrschers, sei schon seit Jahrzehnten widerlegt und das Exponat rechtmäßig in österreichischen Besitz gelangt. Feest warnte auch vor den Folgen, die ein solches Präjudiz für die gesamte Museums- und Kunstwelt haben würde. Zudem sei ein Transport aus konservatorischen Gründen nicht ratsam. Dies sei auch einer der Gründe, weshalb die "Federkrone" bei der gemeinsamen Ausstellung im Herbst 2007 in Mexiko nicht gezeigt werden könne.

Die Abgeordneten der Regierungsparteien argumentierten unter Hinweis auf die Aussagen von Experten, dass es seitens Österreichs keinen Handlungsbedarf gebe. Die Behandlung der Materie im außenpolitischen Ausschuss des Nationalrats wurde laut Parlamentskorrespondenz auf Antrag der ÖVP vertagt.

Authentizität des "Penacho" nicht erwiesen

Mexiko fordert seit Jahren die Rückgabe der angeblichen Krone des Aztekenkönigs. 1996 hatte Bundespräsident Thomas Klestil eine Rückgabe von Kulturgütern, darunter die Federkrone, in Diskussion gestellt. Die Authentizität des mit Quetzalfedern und Goldplättchen geschmückten "Penacho" ist jedoch nicht erwiesen. Experten bezweifeln, dass der 1519 nach Wien gebrachte Kopfschmuck je das Haupt des letzten Aztekenherrschers Montezuma II. geschmückt hat. 2002 hatte eine mexikanische Experten-Kommission gemeinsam mit Fachleuten des Kunsthistorischen Museum Wien (KHM) den Kopfschmuck aus dem Bestand des Völkerkundemuseums untersucht.

Montezuma, die spanische Verballhornung des ursprünglichen Namens Moctezuma, war von 1466 bis 1520 der Herrscher des Aztekenreiches in Mittelamerika. Er soll seinen Kopfschmuck, der aus Federn des Quetzal-Vogels gemacht und mit wertvollen Edelsteinen besetzt ist, zusammen mit zahlreichen weiteren Kostbarkeiten dem spanischen Eroberer Hernán Cortés geschenkt haben. Dieser schickte den Schmuck an den damaligen Kaiser Karl V. Der Habsburger herrschte zu dieser Zeit sowohl über Spanien als auch über Österreich. (APA)

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