Ei, Ei machen

29. November 2006, 15:29
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Ehemalige Design-Studenten aus London kreierten farbenfrohe City-Hühnerställe, die aussehen wie iMac-Computer und weggehen wie die warmen Semmeln

Johannes Paul wollt', er wär' ein Huhn. Könnte man glauben. Warum sonst ersinnt ein Absolvent des Londoner Royal College of Art ausgerechnet einen Hühnerstall für Stadtmenschen, da er doch mit eins a Rüstzeug für die Entwurfsarbeit in Sachen Sportwagen, Handy und Lifestyligem aller Art ausgestattet wurde? Es wird wohl damit zu tun haben, dass Johannes Paul auf einer kleinen Farm ganz in Old-MacDonald-Manier, also mit Schweinen, Hühnern und Pferden aufgewachsen ist. Und es könnte sein, dass sich er und seine Designer-Kompagnons sagten, es gibt schon genug flunderflache Sportwagen und cremaspuckende Espressomaschinen, allerdings so gut wie keine Städter, die frische Eier vors eigene Haus gelegt bekommen.

Hühnerhütte namens "Eglu"

Dieser mögliche Gewinn an proteinstarker Lebensqualität war denn auch wirklich der Grund, warum das vierköpfige Team um Johannes Paul im Jahr 2004 seine modische Hühnerhütte namens "Eglu" auf den Markt brachte. Über mehr als 8000 verkaufte Geflügelbungalows darf sich die eigens gegründete Firma "Omlet" der vier 27-Jährigen bereits freuen. "Eglu" ist aber nicht nur zeitgeistig fesch, sondern auch wohl durchdacht. Die Eier - eines pro Tag und Huhn sollte es schon sein - können aus einer seitlichen Öffnung, dem so genannten "Egg port" entnommen werden, der Hühnerdreck fällt auf eine unter dem Boden montierte Fläche und ist leicht zu entsorgen. Diesbezüglich wurden eigens Tierexperten zurate gezogen.

"Hühner sind pflegeleichter als manch anderes Haustier und legen im Gegensatz zu Goldfisch und Co Eier, sparen also auch Geld, obwohl manche Besitzer mit der Zeit so verrückt nach ihren Hendln werden, dass sie diese nur noch mit Leckereien füttern. Das werden dann halt teure Eier", so Hendl-Experte Johannes Paul. Apropos: Für einen Apfel und ein Ei gibt's "Eglu" nicht. Gute 400 Pfund, das sind an die 580 Euro, kostet das fetzige Hühnerheim, das auch Hasen oder Meerschweinchen Obdach bietet. Im Preis enthalten sind dafür Futter vom Feinsten, ein von den Hühnerfans und "Omlet"-Machern Johannes Paul und William Windham selbst geschriebenes Handbuch zur artgerechten Haltung, ein fuchssicherer Zaun und sogar zwei Hühner. "Gockel liefern wir keine, die legen keine Eier und machen nur Ärger mit den Nachbarn", so Paul. Infos: www.omlet.co.uk.
(Michael Hausenblas/Der Standard/rondo/07/07/2006)

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    foto: hersteller
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