Mittelmeer mit Beilage

9. Juli 2006, 20:08
  • Das "Ella's" am Wiener Judenplatz ist ein schickes Restaurant ...
    foto: gerhard wasserbauer

    Das "Ella's" am Wiener Judenplatz ist ein schickes Restaurant ...

  • ... mit austromediterraner Küche und prominenten Gästen.
    foto: gerhard wasserbauer

    ... mit austromediterraner Küche und prominenten Gästen.

Das neue Restaurant am Judenplatz könnte auch in Nizza oder Athen stehen - Die Speisekarte aber verrät: So wollen nur Österreicher essen

 

An einem der schönsten Plätze der Stadt hat vor einigen Wochen ein schickes Restaurant eröffnet, das ein griechisches Wort im Namen führt, von einem griechischen Gastronomen betrieben wird, Tsatsiki, Souvlaki, Meeresfrüchtesalat auf der Karte stehen hat - und dennoch kein griechisches Restaurant sein möchte. Aber schön der Reihe nach.

Am Judenplatz, wo das einst legendäre Pantherbräu jahrelang dahindämmerte, entstand nach Totalumbau und entsprechender Vergrößerung "Ella's" mit französischen Türen auf den Platz, viel bunter Farbe an den Wänden und roten Marmorplatten im Barbereich. "Das schönste Restaurant neben dem Fabios - mindestens", erklärt Lefteris Dermitzakis, als stolzer Eigentümer darf man so etwas gerade noch sagen. Tatsächlich machen die zwei Räume einiges her, die lange Bar könnte auch in Nizza oder Athen stehen, der Gastgarten ist Weltklasse - und die noblen Gäste, vom Bundespräsidenten abwärts, passen fugenlos in die mondäne Atmosphäre.

"Mediterranes Soulfood"

Die verbreiteten Vorbehalte gegen griechische Kochkunst waren es wohl, die den Betreiber des (diesfalls schamlos griechischen) Restaurants Orpheus dazu bewogen, im Ella's "Mediterranes Soulfood" auf die Karte zu setzen. Konkret darf darunter ein Mix aus griechischen Standards, austro-italienischen Klassikern wie Calamari auf Rucola oder Tunfischcarpaccio (natürlich auch mit Rucola) und aufgesetzt kreativen Gerichten wie Jakobsmuscheln mit Räucheraal verstehen. Vieles gelingt durchaus in anständiger Qualität, Ausreißer wie die völlig matschig gekochte Pasta mit Muscheln oder das trocken gebratene Rindsfilet auf Paprika-Couscous (das sich als linsenförmige Teigware entpuppt) dürfen bei diesen Preisen nicht passieren. Dass die Hauptspeisen zwar mit reichlich Sättigungsbeilage (Lammfilet und Tagliatelle, Seeteufel und Risotto), aber wenig Gemüse aufgetragen werden, würde sich ein Mittelmeermensch freilich kaum gefallen lassen - dafür muss man schon Österreicher sein. Freundlicher Service, interessante Weinkarte.

Ella's
Judenplatz 9, 1010 Wien
Tel.: 01 / 535 15 77
Mo-So 11-24 Uhr
VS € 4,10-19
HS € 16,20-25

(Text: Severin Corti/Fotos: Gerhard Wasserbauer/Der Standard/rondo/07/07/2006)

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14 Postings
Ein einziger Reinfall

Mal kurz ein paar Impressionen der aktuellen Speisekarte:
Die Taboule -Tascherln haben noch keinen Couscous gesehen, aber bitte, das kann ja eine freie Interpretation der Dinge sein. Ebenso wie wenn man Karotten bestellt und Bohnen bekommt. aber o.k.

Das Lammfleisch war zu Tode gekocht/ gebraten, die Calamari waren eiskalt und schon zäh. Stutzig gemacht hat mich auch das etwas zu durchgebratene Beiried (ich habs Medium bestellt, vielleicht kennen die das ja nicht) Ich könnte auch schwören, das Beiried war eigentlich ein Lungenbraten. Einziges Plus war der Service, obwohl der Tisch für 5 Personen...aber egal. Insgesamt war der Abend eine sehr große Enttäuschung und wo immer auch Herr Slama in Zukunft kocht, mich sieht das LOkal nicht

was jetzt?

bei hr. holzer stand: die beste mittelmeerküche der stadt, alles tipitopi und urtoll
und hier? kann der koch nicht einmal pasta richtig kochen und was couscous ist weiß er auch nicht.

tolle ausbeute! als leser und gast heißt das: selber hingehen und die herren kritiker sollen sich brausen gehen.

ps.

ich fands übrigens auch nicht so toll beim ella´s.
mein rosa lammfilet war totgebraten und hat nach gar nix geschmeckt - dafür hab ich aber fast 20 euro gezahlt. die vorspeise war so lala - das krieg ich anderswo besser und um den halben preis.

die holzer-kritiken kannst sowieso vergessen

der arbeitet offensichtlich auf provision und/oder lobt seine freunderln.
die kritiken vom severin corti finde ich allerdings super.

jetzt fällts mir erst auf

türken bezeichnen kleine teigwaren (auf griechisch: kritaraki oder so ähnlich) als kuskus. der fehler liegt dann wohl diesbezüglich beim herrn corti.

holzer

- so sehr ich ihn sonst schätze - bezeichnet auch sri lanker als inder (curryinsel; die küchen ähneln einander wie die italienische und die griechische). also, ich hoff mal - und aufgrund seiner ehemaligen kolumne bin ich da guter hoffnung - dass er sich außerhalb asiens ein bisl besser auskennt.

sorry, ich konnt jetzt leider nicht wiederstehen: erstens - wer behauptet, sich bei den asiatischen küchen auszukennen, dem mangelt es schwer an realitätssinn. hiermit gebe ich zu: ich weiß da echt nur rudimentär, worum es ungefähr geht.
zweitens: so berechtigt ihr einwand ist, so führen sie sich selbst aufs glatteis, indem sie von "der indischen" küche sprechen - bei einem derart groben raster können sie sri lanka nämlich ohne weiteres dazu nehmen.
und gleich weiter in dieser gangart: "die italienische küche"? hä? aosta-tal und apulien? da sind sich die apulische und west-griechische küche tatsächlich ähnlicher ...

naja, mein lieber herr holzer

ich hab eigentlich gedacht, ich hätt da ihre diktion übernommen.

ich wunder mich halt einfach jedesmal, wenn sie die curryinsel als "inder" bezeichnen. so gesehen könnten sie ja - vielleicht taugt ihnen dieser vergleich mehr - vietnamesische lokale auch als "chinesen" titulieren.

p.s. ich weiss schon, das saigon findet man beim herold unter "chinesisch". ich find das trotzdem unpassend.

sorry, nun kann ich leider nicht wIderstehen

Ich bin sicher Sie meinten auch widerstehen, oder?

eh, aber ich konnte es schon wieder nicht ... :o)

ich bin jetzt seit 9 jahren

in asien. hauptsaechlich malaysia aber auch china, thai , taiwan, indien etc....
ich wuerd gern wieder mal einen asiaten in oesterreich probieren. ich glaub ich werd ihn nicht moegen

Schade ums Pantherbräu!

Mit Schrecken habe ich gesehen, dass es das Pantherbräu nicht mehr gibt, sondern der 101ste Schicki Micki Speisetempel aufgemacht hat. Das Pantherbräu war ein urgemütliches Wiener Gasthaus, mitten in der Stadt, wo man sich einfach wohlgefühlt und gut gegessen und getrunken hat. Jetzt aber: "Mediterranes Soulfood" -- wenn ich das schon hör ...

mei red ...

mir gehn auch diese ganzen pseudo-gourmet-tempel auf den "allerwertesten"!
total überteuert, "gemütliches publikum", fades essen, etc. UND: die angenehmen lokale sterben aus!

wenn man sich besaufen will bedarf es schon eines erdapfels um nicht gleich nach dem köter unterm tisch zu liegen - ansonsten: ganz ihrer meinung

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