Hochspannung vor Aufsichtsratsentscheidung

6. Juli 2006, 16:05
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Gremium berät derzeit in der extra dafür anberaumten Sitzung über Sanktionen für Nahverkehrschefin Wilhelmine Goldmann

Wien - Hochspannung vor der heute anberaumten außerordentlichen Aufsichtsratssitzung der ÖBB-Personenverkehr AG (ÖBB-PV). Einziger Tagesordnungspunkt ab 11.30 Uhr: Die Weichenstellung für die Zukunft von Nahverkehrs-Chefin Wilhelmine Goldmann.

Die Bandbreite an Sanktionen, die der ÖBB-PV-Aufsichtsrat unter Präsident Fredmund Malik vom Management Zentrum St. Gallen berät, ist groß: Sie reicht von fristloser Entlassung wegen Untreue bis zu einer Verwarnung, die man über Goldmann wegen der ihr angelasteten Verwendung von ÖBB-Betriebsmittel (Telefon, Fax, Kopierer, Arbeitszeit, Briefporto) für den gemeinnützigen Verein "Opernwerkstatt Wien" verhängen könnte.

Gesichtswahrender Rückzug

Beim obersten Eigentümervertreter im Verkehrsministerium von Vizekanzler Hubert Gorbach rechnet man inoffiziell zwar nur mehr mit einer Verwarnung. Malik ließ sich allerdings bis zuletzt alle Möglichkeiten offen. Man dürfe Verstöße gegen die Corporate Governance nicht bagatellisieren, sagte er im Ö1-Morgenjournal sinngemäß. In hohen ÖBB-Kreisen mehren sich die Stimmen, die dafür plädieren, an Goldmann kein Exempel zu statuieren, sondern einen gesichtswahrenden Rückzug zu ermöglichen. Dafür müsse eine einvernehmliche Lösung her, mit der alle leben könnten. Einen Verbleib Goldmanns in der Chefetage - ihr Vertrag läuft erst Ende 2008 aus - hält man freilich für unwahrscheinlich, man werde um eine teilweise Auszahlung der restlichen Vertragslaufzeit wohl nicht herumkommen. (ung, DER STANDARD Printausgabe, 06.06.2006)

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