Goldene Ehre für Leon Zelman

6. Juli 2006, 20:33
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Gründer des Jewish Welcome Service erhielt Goldenen Doktortitel

Wien – "Die Universität war eine Vorbereitung auf das spätere Leben, wo ich erfahren habe, was ich bisher versäumt hatte – es war eine Begegnung mit einer neuen Welt," freut sich Leon Zelman, der mit zwölf Jahren die Schule abbrechen musste, ganz besonders über das Goldene Doktordiplom, das ihm am Mittwoch von der Universität Wien verliehen wurde.

1928 im polnischen Stetl geboren, verlor er während der deutschen Besatzung seine ganze Familie und überlebte die Konzentrationslager Auschwitz und Mauthausen-Ebensee, wo er im Mai 1945 befreit wurde. 1949 begann er das Studium der Zeitungswissenschaft, fünf Jahre später schloss er es mit einer Dissertation zum Thema "Der Film als Beeinflussungsmittel der öffentlichen Meinung" ab. Schon während des Studiums gründete er als führender Funktionär der Jüdischen Hochschülerschaft 1951 die Jahreszeitschrift Das jüdische Echo, dessen Chefredakteur er bis heute ist.

"Neben seinen publizistischen Leistungen hat Zelman seine Arbeit als Direktor des Jewish Welcome Service zu einer öffentlichen Person gemacht, der diese Stadt und dieses Land unendlich viel verdanken, weil er realisierte, was so lang versäumt wurde: wenigstens eine Geste des Willkommens jener Stadt für jene, die aus ihr vertrieben wurden," begründete Wolfgang Langenbucher, der scheidende Vorstand des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft, in seiner Laudatio die Auszeichnung. Der von Zelman gegründete Jewish Welcome Service ermöglichte seit 1980 Tausenden von den Nazionalsozialisten vertriebenen Juden den Besuch der alten Heimat. "Es geht nicht um die 4000 Menschen, sondern um das Signal, dass man an sie denkt," wird Zelman nicht müde, die Erinnerung aufrecht zu erhalten.

Langenbucher verwies auch auf Zelmans Rolle in der Waldheim-Debatte und das Bekenntnis Österreichs zur Mitverantwortung an den Nazi-Verbrechen: "Immer wieder schuf er Realitäten, wo andere nicht einmal den Mut zum Träumen hatten."(Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe 6.7.2006)

  • Leon Zelman im Festsaal der Uni Wien
    foto: standard/ cremer

    Leon Zelman im Festsaal der Uni Wien

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