Gemeinde zapft Sonne an

7. Juli 2006, 13:13
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Vorarlberg liegt bei der Verbreitung von Photovoltaik-Anlagen voran, andere Bundesländer folgen jetzt

Klagenfurt – Lautlos zeigen die Schatten der Sonnenuhren auf den beiden Türmen der imposanten Wehrkirche von Diex die Stunden an. Schon im Frühmittelalter hat man in dem Kärntner Bergdorf die Sonne genutzt.

"Spinnerei"

Die südlich der Saualm auf 1259 Meter Höhe gelegene Gemeinde ist einer der sonnigsten Orte Österreichs. 2200 Sonnenstunden im Jahr sind hier die Regel. „Wir haben uns gedacht, Sonnen-Werbung allein reicht nicht, warum positionieren wir uns nicht auch als Fotovoltaik-Mustergemeinde“, sagte Bürgermeister Anton Polessnig (VP). „Es war zuerst nicht einfach. Im Ort haben sie geglaubt, das ist eine Spinnerei. Heute sind alle stolz darauf“, erzählt der 53-jährige Spiritus Rector des Diexer Solarenergie-Projekts dem Standard. Zunächst wurden alle Diexer Begrüßungstafeln mit Sonnenkollektoren ausgestattet. 1998 folgte dann der entscheidende Schritt. Das Diexer Gemeindehaus sollte neu gebaut werden. Statt der ursprünglich geplanten Ölheizung errichtete man nach langen Diskussionen eine Drei-kW-Fotovoltaik-Anlage, die vom Land Kärnten gefördert wurde.

2200 Euro Extrageld

Für die Warmwasser-Aufbereitung wurden am Dach des Gebäudes auf 14 m2 Sonnenkollektoren angebracht. Die übrigen Module (18 Stück) sind auf der Südseite zu zwei Drittel freistehend und zu einem Drittel als Gestaltungselement in die Fassade integriert. Die Energie wird jeweils zu den Wechselrichtern geleitet und in den Stromkreis integriert. Wird kein Strom gebraucht, geht die Energie direkt ins öffentliche Netz der Kelag, was der Gemeinde jährlich rund 2200 Euro bringt. Ein Display zeigt Temperatur, Sonnenstärke und die eingespeiste Energie an.

Auch wirtschaftlich lacht in der langjährigen Zuschussgemeinde, die früher nur dank des Wandertourismus überleben konnte, die Sonne. Im Jahr 2000 hat sich das EDV-Unternehmen Software Systems in der 864-Seelen-Gemeinde angesiedelt und für 22 hochqualifizierte Arbeitsplätze gesorgt. Die Expansion geht weiter. Nun tüftelt man mit der Universität Klagenfurt und dem Klagenfurter Lake Side Software Park am Projekt „Campus Diex“, das zur weltweiten Schnittstelle für globale Finanzdatenentwicklung ausgebaut werden soll.

Energiekosten ein Drittel niedriger

Auch die Diexer setzen verstärkt auf Sonnenkraft. In einer eigens für Jungfamilien geschaffenen Siedlung wurden alle zwölf bisher errichteten Häuser mit Solaranlagen ausgestattet. Einige sind sogar aus der Bezirksstadt Völkermarkt heraufgezogen, weil die Energiekosten in Diex dank der Sonne um ein gutes Drittel niedriger sind als im Tal. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD Printausgabe, 06.07.2006)

  • Solarmodule am Dach, in der Fassade und frei stehend: Das Gemeindehaus in dem  Bergdorf Diex wird mit Solarenergie geheizt
    foto: gemeinde diex

    Solarmodule am Dach, in der Fassade und frei stehend: Das Gemeindehaus in dem Bergdorf Diex wird mit Solarenergie geheizt

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