Dominique Perraults Star-Architektur in Wien

12. Juli 2006, 10:50
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Architekturzentrum präsentiert mit "Architecture Meta-Buildings" vier Projekte, freilich "keine Personalschau"

Wien - Die spektakuläre französische Nationalbibliothek in Paris machte Dominique Perrault 1995 zum international gefragten Architekten. Das Architekturzentrum Wien (Az W) präsentiert in der Schau "Architecture Meta-Buildings" ab morgen vier aktuelle Projekte des Stararchitekten, darunter die ab 2007 in der Wiener Donau-City entstehenden Hochhäuser "Vienna DC Tower 1 und 2", die das neue Wahrzeichen Wiens werden sollen. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde die gelungene Ausstellung heute präsentiert, bei der großformatige Fotos, Modelle, Pläne und Videos zu sehen sind.

Az W-Chef Dietmar Steiner meinte, dass "normalerweise keine Personale von Stararchitekten" im Az W gemacht würden. Das überlasse man anderen Museen. "Wir zeigen die Arbeit von historisch bedeutenden Architekten." Dass dennoch ein Star wie Perrault präsentiert würde, läge einerseits am neuen Großprojekt Perraults in der Donau-City. Steiner: "Grund genug, sich mit Perraults Methode und Theorie zu beschäftigen". Der zweite Grund sei "die Beziehung zwischen seinen anderen Bauprojekten. Diese 'Meta-Buildings' schaffen neue Stadtlandschaften". Dieser stadtplanerische Ansatz Perraults habe einen "neuen Diskurs zwischen Urbanität und Architektur" entstehen lassen, so Steiner.

"Metabuildings"-Konzept

"Es ist nicht genug, Bauwerke zu entwerfen, sondern es geht immer auch um den Raum und die Landschaft", erklärte Perrault sein "Metabuildings"-Konzept. Dieses stehe bei all seinen Projekten im Vordergrund, die sich nie auf isolierte Gebäude beschränkten, sondern den für die Öffentlichkeit nutzbaren Raum miteinbezögen, der gleichzeitig entstehe. So habe er etwa für die 2010 geplante Eröffnung des Mariinsky Theater-Anbaus in St. Petersburg eine goldene, netzartige Hüllenkonstruktion entworfen. Diese ermögliche Zwischenräume, welche das Gebäude ständig begehbar machen werden.

Perrault: "Man soll durch das Theater durchgehen. Es wird hier immerhin viel öffentliches Geld ausgegeben, also sollen die Leute auch ein Recht haben, das Gebäude außerhalb der Vorstellungen zu betreten". Ein weiteres, im Az W präsentiertes Projekt ist das 2008 fertig gestellte Olympische Tennis Stadion in Madrid am Rande des Manzanares Parks. Die Dächer des Multifunktionsbaus können über den drei Arenen hoch geklappt werden, und die Fassaden bestehen aus einem luftdurchlässigen Metallgewebe, das den Außenraum des Parks und das Innere des Stadions verbinden soll.

In Seoul entsteht gerade das EWHA Womans University Campus Center für 20.000 Studentinnen mit akademischen und kommerziellen Nutzungen. Perrault integriert auch hier die umgebenden Landschaft in die Architektur, in dem er das sechsgeschossige Universitätsgebäude quasi in die Erde "vergräbt".

"DC Tower 1 und 2"

Das schwierigste Projekt befindet sich im Planungs-Endstadium, und wird ab 2007 auf 110.000 Quadratmetern in der Wiener Donau-City realisiert: "Vienna DC Tower 1 und 2". Die beiden Türme (220 Meter und 160 Meter) sollen ein markantes "Stadttor" für die Donau-City bilden. Das mehrfach genutzte Objekt (Hotel, Büros, Shops, Restaurants, Wohnungen) wird mit einer Treppenkonstruktion Donau und Reichsbrücke anbinden. Die Terrasse, auf der die Hochhäuser positioniert sind, soll als öffentlicher Platz genutzt werden.

Als Perrault 2002 im Auftrag des Bauherren WED den Masterplan für den Stadtteil zu konzipieren begann, habe er es "schon etwas merkwürdig gefunden, dass die Donau überhaupt nicht in den Plänen eingebunden war. Normalerweise beginnt man am Fluss zu bauen, und geht ins Hinterland weiter. Hier war es umgekehrt". Jedenfalls gehe es auch bei diesem Projekt "nicht um formale, sondern um strategische Ideen. Nicht die Höhe der Türme ist wichtig, sondern der Raum, den sie schaffen".

Auch in Österreich hat Perrault, der u.a. auch in Korea, Japan, Spanien, England, oder Italien gebaut hat, schon gearbeitet: Er gestaltete in Innsbruck das Rathaus und ein Cafe, ein Bürogebäude, so wie drei Supermarkt-Bauten der Tiroler Kette M-Preis in Wattens und Zirl. M-Preis-Chef Hansjörg Mölk, der auch bei der Pressekonferenz war: "Ich war aufgeregt und wusste nicht, ob so ein Star überhaupt Supermärkte machen will. Er wollte, und die Zusammenarbeit war angenehm und unkompliziert".

"Die Ausstellung ist doch eine Personale eines Stararchitekten", so Steiner abschließend. "Aber auch das gehört zur Politik des Az W, die Grundsätze manchmal zu brechen". (APA)

Link: azw.at

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Computersimulation des in Wien geplanten Bauprojekts Vienna DC Tower 1 und 2

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