"Discovery"-Astronauten testeten Reparaturtechniken

9. Juli 2006, 20:39
4 Postings

Erster Außeneinsatz erfolgreich beendet - Siebenstündige Arbeiten an ISS - Flug um einen Tag verlängert

Houston/Washington - Auf der Internationalen Raumstation ISS können künftig bis zu sechs Raumfahrer leben und arbeiten. Der deutsche ESA-Astronaut Thomas Reiter und die Crew der ISS sowie der Raumfähre "Discovery" entluden am Wochenende unter anderem ein Sauerstoffgerät, das Wasser in Atemluft für sechs Raumfahrer verwandelt. Reiter muss noch bis zu diesem Donnerstag mit Hand anlegen beim Auspacken der Fracht.

Erster Außen-Einsatz

Den ersten rund siebeneinhalbstündigen Einsatz zweier Astronauten außerhalb der Weltraumstation bezeichnete die NASA als sehr erfolgreich. Der verlängerte Roboterarm der Raumfähre erwies sich als so stabil, dass er im Fall von Notreparaturen zwei Raumfahrer präzise zu allen Problemstellen an der Außenhaut manövrieren kann. Bei ihrem spektakulären Schwenk durch das All standen die beiden US-Raumfahrer Piers Seller und Mike Fossum auf kleinen Fußplattformen, die links und rechts vom Roboterarm hingen. Der zweite Ausstieg soll am Montag um 14.13 Uhr MESZ beginnen und sechseinhalb Stunden dauern.

Die "Discovery" hat den Start am vergangenen Dienstag nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde NASA besser überstanden als erwartet. "Das ist die beste und fehlerfreiste Raumfähre, die ich je gesehen habe", sagte NASA-Manager Steve Poulos am Samstag in Houston (Texas).

Problemzonen

Nach Angaben der NASA haben sich fünf von sechs Problemzonen nach erneuter Inspektion als harmlos erwiesen. In einem Fall stellte sich ein verdächtiger Fleck als Abdruck von Vogelkot heraus. Zwei andere Stellen seien Spuren von Flüssigkeitsresten, sagte Flugdirektor Tony Ceccacci.

Dagegen hat die NASA noch keine Entscheidung getroffen, wie sie mit einem herausstehenden Füllstreifen am Unterboden der "Discovery" verfährt. Dieser Dämmstreifen hat so viele Risse, dass er durch die Reibung beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zerbröckeln könnte. Sollten neue Labortests eine Gefährdung der Raumfähre und Crew nicht ausschließen, können die Astronauten den Streifen während eines Außeneinsatzes entfernen.

Raumfähren-Flug um einen Tag verlängert

Die NASA hat den Flug der Raumfähre bereits um einen Tag verlängert und einen dritten Außenbordeinsatz in das Programm eingefügt. Dieser Einsatz war von Anfang an vorgesehen, wenn die "Discovery" genügend Treibstoff für die Rückkehr zur Erde hat. Die Raumfähre soll nun nach einem 13 Tage langen Einsatz im Weltraum am 17. Juli wieder auf der Erde landen.

Reiter wird dagegen als erster Deutscher die kommenden sechs Monate an Bord der 400 Kilometer über der Erde kreisenden Weltraumstation bleiben. Die "Discovery" soll den 48-Jährigen dann nach bisherigen Plänen Ende Dezember wieder von der ISS abholen.

Drei Tage nach seiner Ankunft auf der Internationalen Raumstation ISS sagte Reiter bei einer Liveschaltung zum Europäischen Astronautenzentrum (EAC) am Sonntag in Köln: "Eines der ersten Dinge, die ich tun werde, wenn die Discovery abgedockt ist, ist das Überraschungspaket meiner Familie zu finden."

"Der Blick ist hervorragend"

Der 48-Jährige schwärmte von der Aussicht. "Der Blick ist hervorragend, sowohl zur Erde als auch in den Sternenhimmel." Deshalb ist Reiter gespannt auf seinen ersten Weltraumspaziergang. "Anfang August freue ich mich darauf, nach draußen gehen zu dürfen." Nach dem Entladen von Nahrung, Kleidung und Ersatzteilen warten auf Reiter neben wissenschaftlichen Experimenten und Arbeiten an der Raumstation auch Freizeitmöglichkeiten. "Eine Gitarre habe ich bereits gefunden, leider ist eine Saite kaputt gegangen", sagte er. "Wenn Zeit ist, werde ich eine neue Saite aufziehen und meinem Hobby frönen." (APA/dpa)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Mike Fossum (oben) und Piers Sellers beim Abschluss ihres Außeneinsatzes

Share if you care.