Wenn Dinge kaputtgehen

5. Juli 2006, 18:20
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Die kleine Sonderreihe "Subversive Delight" bei Kino unter Sternen im Augarten

Martha Beck und Ray Fernandez – sie eine übergewichtige Krankenschwester, er ein schmieriger Gigolo – gingen als "Lonely Hearts"-Serienmörder in die US-Justizgeschichte ein. Sie erschlichen sich das Vertrauen einsamer Witwen, raubten sie aus und ermordeten sie. Leonard Kastle erzählt in seinem einzigen Film, Honeymoon Killers (1970), die Geschichte der Täter. In grobkörnigem Schwarz-Weiß, musikalisch untermalt von Gustav Mahler, folgt er gänzlich unsentimental ihrem Wirken, ohne sie zu Monstern zu stilisieren. In seiner Entstehungszeit ein übersehenes B-Movie, gilt der Film heute längst als Klassiker.

Das Kino unter Sternen stellt ihn in der kleinen Sonderreihe "Subversive Delight" anderen, teils durchaus kanonisierten Arbeiten gegenüber, die sich gesellschaftlichen Werten wie filmischen Konventionen mit rebellischem Gestus nähern:

Tausendschönchen (1966) etwa, von Vera Chytilova, ein zentraler Film der tschechischen Neuen Welle, in dem zwei anarchistische Mädchen, die beide Marie heißen, mit großer Lust der Zerstörung ihrer Umwelt frönen. Oder Richard Lesters The Bed-Sitting Room (1969), eine Groteske über eine Gruppe von Menschen, die sich in Großbritannien nach einem Atombombenabwurf auf eher skurrile Weise am (Über)leben erfreut. (kam/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2006)

  • Verdorbene Mädchen: Marie 1 und Marie 2 in "Tausendschönchen"
    foto: kino unter sternen

    Verdorbene Mädchen: Marie 1 und Marie 2 in "Tausendschönchen"

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