Molekül identifiziert, das körpereigene Abwehr außer Kraft setzen kann

12. Juli 2006, 14:37
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Braunschweiger Forscher auf der Spur von GPR83, um dieses künftig gezielt ein- und ausschalten zu können

Braunschweig - Wissenschafter der Gesellschaft für Biotechnologische Forschung (GBF) machten jenes Molekül ausfindig, das die körpereigene Abwehr außer Kraft setzen kann. Das Molekül GPR83 ist Rezeptor der T-Zellen, welche für die Abwehreaktionen des Immunsystems zuständig sind. Wird der Rezeptor aktiviert, findet keine Reaktion der T-Zellen statt und ihre Abwehr wird deaktiviert. In Zukunft könnte GPR83 bei Autoimmunerkrankungen und Entzündungen eingesetzt werden.

Durch irrtümlich ausgelöste Abwehrreaktionen kann im Köper auch gesundes Gewebe angegriffen werden, weshalb die Bedeutung der regulatorischen T-Zellen besonders wichtig ist. Diese werden in der GBF bereits seit fünf Jahren erforscht. Auf das Molekül GPR83 wurde man vor zwei Jahren aufmerksam. Professor Jan Buer, GBF-Arbeitsgruppenleiter, erklärt, dass dieses Molekül zwar nur einer von vielen Bestandteilen der T-Zellen ist, es jedoch von Anfang an charakteristisch für diese Zellen war. "Es ist ein Schalter für die regulatorischen T-Zellen," so Buer. Wird er aktiviert, bremst er damit die Abwehrreaktion des Immunsystems. Wie und warum dies geschieht konnte man bisher noch nicht klären.

Gezielte Steuerung

In Zukunft könnte das Wissen um die Funktionsweise des Moleküls zu dessen gezielter Steuerung durch Medikamente führen. GPR83 könnte dadurch sowohl aktiviert, als auch blockiert werden. Damit wäre nicht nur Hilfe bei Autoimmunerkrankungen wie Rheuma oder Typ I Diabetes möglich, sondern eventuell auch bei schweren Infektionen oder Tumor-Behandlungen. Buer erinnert aber: "Man muss viele Mosaiksteine sammeln, um zu verstehen, was in unserem Körper schief läuft." Das Molekül GPR83 sei nur einer davon, dessen Wirkungszusammenhang mit anderen erst weiter erforscht werden muss. (pte)

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