Voest-Aufsicht kommt billiger

27. Juli 2006, 14:04
6 Postings

Bei der Hauptversammlung präsentierte die Voest erneut ein Rekordergebnis - Auch der Ausblick fällt positiv aus

Linz - Gute drei Stunden mussten die 1189 Aktionäre warten, bis sie mit Bier auf das vierte Rekordergebnis anstoßen konnten, das die Voestalpine am Mittwoch im Linzer Designcenter präsentierte.

Hunderte Krügel standen um zehn Uhr zwar in Reih und Glied parat zum Abfüllen, angezapft wurden die Fässer aber erst nach der Fragerunde gegen zwölf, als bereits über die Entlastung der Vorstände und Aufsichtsräte abgestimmt wurde. Zunächst durften sie den Ausführungen von Voest-Chef Wolfgang Eder lauschen, die er nach knapp einer Stunde mit einem erfreulichen Ausblick beendete: Im laufenden Geschäftsjahr (31. März 2007) sei "jedenfalls"mit ähnlich guten Zahlen zu rechnen wie heuer.

Heißt auf Deutsch: Beim Linzer Stahl- und Verarbeitungskonzern ist neuerlich ein Rekordergebnis in der Pipeline. Stahlpreise und Auftragslage seien stabil, auch die Automobilkonjunktur sei wieder in Fahrt, sodass es kein Problem sein sollte, den Umsatz über 6,5 Milliarden Euro und das Betriebsergebnis (Ebit) über 732,8 Mio. Euro zu steigern.

Nahezu schuldenfrei

Die Nettofinanzverschuldung ist von 683 auf 376 Mio. Euro gesunken - können die weltweit 23.661 Voestler beruhigt nach weiteren Kaufobjekten Ausschau halten.

Außer Kleinaktionär Berthold Berger hinterfragten die vorgelegten Zahlen nur wenige Anleger. Berger fragte dafür umso detailverliebter nach der Auftragsdelle beim niederländischen Autozulieferer Polynorm. Im dortigen Presswerk müssen 102 Mitarbeiter den Hut nehmen, weil ein Autobauer seine Türen künftig selber fertigt. Ersatzaufträge eines deutschen Premiumherstellers seien in Sicht, versichert die Voest, allerdings erst in ein bis zwei Jahren. Konsequenzen hatte der harsche Protest gegen die im Vorjahr auf ein Promille des Jahresüberschusses angehobene Aufsichtsratsvergütung.

Deckelung für Aufsichtsräte

Aufsichtsratspräsident Joachim Lemppenau schlug für sich eine Deckelung auf maximal 80.000 Euro pro Jahr vor, maximal 60.000 Euro für seine Stellvertreter Ludwig Scharinger (Raiffeisen Landesbank Oberösterreich) und Rainer Wieltsch (Ex-ÖIAG-Vorstand) und 40.000 Euro pro einfachem Aufsichtsratsmitglied.

Fällt der Gewinn einmal magerer aus, bekommt der Präsident mindestens 20.000 Euro, seine Vize 15.000 und ein gemeiner Rat 10.000. Dem stimmten die Aktionäre mit 99,9 Prozent weit zahlreicher zu als der Wahl von Bawag-Chef Ewald Nowotny in den Voest-Aufsichtsrat. Er bekam nur 86,22 Prozent der Stimmen.

Der Aktiensplit eins zu vier, der die 39,6 Millionen Stück, mittlerweile teuren Voestpapiere (115 Euro) ab dem August attraktiver machen soll, ging ebenso durch, wie die um einen Euro auf 3,10 Euro (zwei Euro Basisdividende,1,10 Euro Bonus) erhöhte Dividende. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD Printausgabe, 06.07.2006)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Bawag-Chef Ewald Nowotny wird Rainer Wieltsch als Voest-Aufsichtsratsmitglied ablösen

Share if you care.