550 Millionen für Forschung gesucht

11. August 2006, 12:02
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Die bis 2010 budgetierte Forschungsanleihe reicht nur bis Mitte 2008 - es fehlen 220 Milionen Euro

Wien - Forschung & Entwicklung (F&E) bleibt trotz der Segnungen der Forschungsmilliarde eine echte Herausforderung für Österreich: Die von 2006 bis 2010 budgetierte, aus Nationalbankerträgen, ERP-Mittel und ÖIAG-Privatisierungserlösen zu speisende "Forschungsanleihe"reicht nämlich nur bis Mitte 2008.

Soll das erklärte Ziel, die Forschungsquote von derzeit 2,43 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) auf das EU-Lissabon-Ziel von drei Prozent zu erhöhen, erreicht werden, braucht es 550 Millionen Euro, rechnete der Forschungsrat Dienstagabend vor. Bisher war man von 330 Millionen ausgegangen.

Steuergelder notwendig

"Diese 550 Millionen werden aufgebracht werden müssen", stellte Uni-Professor Günter Bonn, der stellvertretende Ratsvorsitzende, klar. "Und es werden Steuergelder sein müssen, da braucht man nicht drum herumreden."

Was Österreich noch braucht: Mehr Forscher und Entwickler, die auf Universitäten, Fachhochschulen und in den Klein- und Mittelbetrieben forschen. Woher diese bis zu 550 Millionen Euro kommen werden, ist freilich offen. Denn dazu braucht es eine Regierung und einen neuen Nationalrat, die erst im Herbst gewählt werden. Bis zur Regierungsbildung danach ist nicht einmal die Auszahlung der bereits in 150 bis 200 Millionen schwere jährliche Tranchen gesplitteten Offensivprogramme gewährleistet.

Warnung vor Förderloch

Über diese Zeit müssten sich die Förderfonds FWF und FFG mit der Fortschreibung der laufenden Budgets hinüberretten, sagte Ratsvorsitzender Knut Consemüller, der bei der Gelegenheit vor einem Förderloch warnte. Ein solches dürfe es aber keinesfalls geben, denn das würde die Anstrengungen der vergangenen Jahre teilweise nichtemachen.

Dass 550 Millionen Euro an Offensivmittel fehlen, kann man in Bildungs-, Infrastruktur- und Wirtschaftsressort nicht recht glauben. Die Ministerien haben den Rat für Forschung und Technologieentwicklung deshalb mit einer Wirkungsanalyse der Forschungsförderung beauftragt. Diese soll im Herbst vorliegen. Derzeit wird nach einer Formel gesucht, mit der sich berechnen lässt, wie viel Wachstum und Beschäftigung die Millioneninvestitionen in F&E induziert haben.

Herauszufinden gilt insbesondere, warum die Industrie-Investitionen in F&E und der Auslandsanteil heuer erstmals rückläufig waren. Das ist neu, denn seit 2000 hat die öffentliche Hand ihre F&E-Ausgaben "nur"um 7,6 Prozent gesteigert, die Wirtschaft ihre aber um 8,6 Prozent.

Forschungsrat lobt Gugging-"Weisenrat"

Vom siebenten EU-Rahmenprogramm will man sich ab 2007 jährlich 160 Mio. Euro holen - das ist mehr als das Doppelte dessen, was die Österreicher pro Jahr vom bisherigen Programm abschöpfen konnten.

Positiv erleichert steht der Forschungsrat mittlerweile zur Exzellenz-Uni in Gugging. Das Konzept des "Weisenrats", bestehend aus Haim Harari (Ex-Präsident des Weizmann-Instituts), Olaf Kübler (ETH Zürich) und Hubert Markl (Max Planck-Gesellschaft), sei "rundum geglückt". (ung, DER STANDARD Printausgabe, 06.07.2006)

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    foto: standard/strobl
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