Fliegenlarven an Bord der "Discovery"

19. Juli 2006, 13:29
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NASA-Experiment samt österreichischer Beteiligung: Wie fliegen Fliegen, wenn sie ohnehin schon fliegen und wie verändert sich ihr Immunsystem?

Wien - Mit besonderer Nervosität verfolgt derzeit ein österreichischer Student die Mission des amerikanischen Space-Shuttles. An Bord der "Discovery" sind Fliegenlarven, die Tiere sollen im All schlüpfen und nach der Landung immunologisch untersucht werden. Am NASA-Experiment beteiligt ist der Wiener Student Florian Selch, seine Arbeiten in den USA sollen in seiner Diplomarbeit am Institut für Molekulare Zellbiologie der Uni Wien verwendet werden. Selch wird durch die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützt.

Einmalige Fütterung

Einige Hundert Fruchtfliegen oder Drosophila - bzw. derzeit noch Larven und Puppen - sind an Bord des Shuttles, untergebracht in speziellen, zigarettenschachtelgroßen Behältern. "Durch die Verzögerungen des Starts gab es einige Aufregung, die Larven mussten ausgetauscht werden, damit sie nicht zu früh schlüpfen", so Selch. Das siebenköpfige Astronautenteam hat mit den Tieren wenig zu tun, sie müssen sie nur einmal während der ganzen zwölf- oder 13-tägigen Mission füttern.

Immunsystem unter der Lupe

Laut der Planung des Experiments sollen die fertigen Fliegen erst in der Schwerelosigkeit aus den Puppenhüllen schlüpfen. "Interessant zu beobachten wäre sicher: Wie fliegen Fliegen, wenn sie ohnehin schon fliegen?", sagte Selch. Im Mittelpunkt des Experiments stehen allerdings nicht die Flugkünste der Insekten, sondern vielmehr deren Immunsystem.

Zurück auf der Erde werden die All-gewöhnten Fliegen mit Bakterien - Escherichia coli - infiziert und genau ihre Immunantwort analysiert. Das Gleiche machen Selch und seine Kollegen mit normalen Fliegen. Die Wissenschafter wollen einerseits herausfinden, ob Astronauten im All etwa bei Langstreckenflügen einem besonderem Infektionsrisiko ausgesetzt sind, weil das Immunsystem in der Schwerelosigkeit möglicherweise anders funktioniert.

Fliegen-Empfang

Es soll aber auch ein Beitrag zur Grundlagenforschung, zur generellen Funktionsweise des Immunsystems und der Wirkungsweise von Medikamenten sein, betonte Selch. Der 23-jährige Student wird in den kommenden Tagen in das NASA-Forschungszentrum nach San Francisco reisen, um die Fliegen bei ihrer Ankunft aus Florida gebührend zu empfangen und seine Experimente zu beginnen. (APA)

  • Im All sollen die Drosophila schlüpfen und nach ihrer Rückkehr zur Erde mit Bakterien - Escherichia coli - infiziert werden, um ihre Immunantwort zu analysieren.
    foto: standard/imp

    Im All sollen die Drosophila schlüpfen und nach ihrer Rückkehr zur Erde mit Bakterien - Escherichia coli - infiziert werden, um ihre Immunantwort zu analysieren.

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