Poker um Bank-Burgenland- Zukunft

16. Juni 2000, 16:14

Die Bank Austria erwägt die Übernahme - es wird keine Haftungsmittel aus den Landesfinanzen geben.


Michael Moravec

KOMMENTAR
Falsche Eigentümer
Selbst eine Übernahme der Bank Burgenland durch die aggressivste Auslandsbank hätte sie nicht in die Situation gebracht, in der sie jetzt ist. Von Michael Moravec
Wien/Eisenstadt - Die durch betrügerisch herausgelockte Kredite in Milliardenhöhe in schwere Bedrängnis geratene Bank Burgenland könnte schon bald neue Eigentümer bekommen. Bereits in den nächsten Tagen kommt es zu einem Gipfeltreffen zwischen den Haupteigentümer-Vertretern, also Burgenlands Landeshauptmann Karl Stix und Bank-Austria-Chef Gerhard Randa.

Mit der Materie betraute Experten berichten, dass auch bereits ein Verkauf der Bank Burgenland besprochen wird. "Dabei ist ein Erwerb der Landesanteile durch die Bank Austria ebenso möglich wie ein öffentliches Verkaufsverfahren, in dessen Umfeld sich auch die Bank Austria von ihren Anteilen trennt", sagte ein Banker im Gespräch mit dem Standard.

Fest steht, dass das Land derzeit kein Geld hat, um die Haftung für die marode Bank begleichen zu können, bestätigt auch der stellvertretende Landeshauptmann Gerhard Jellasitz: "Wir haben bei einem Budget von neun Milliarden Schilling fünf Milliarden Schulden und benötigen für die Ziel-1-Förderungen nochmals drei Milliarden. Es ist ausgeschlossen und undenkbar, dass wir für die Bank Burgenland zusätzlich ein bis zwei Milliarden aufstellen können."

Auch Jellasitz kann sich mit einem Verkauf der Bank anfreunden: "Wenn es jemanden gibt, der kaufen will und dabei die Interessen des Burgenlandes wahrt, kann man nur sagen: mit tausend Rosen."

Schadensbegrenzung

Eine weitere Variante zur Finanzierung der Haftung wäre auch eine Ausfallsgarantie, die das Land zugunsten der Bank eingehen könnte. "Wir müssen uns jetzt einmal mit der Schadensbegrenzung bemühen. Und da werden auch die anderen Aktionäre, also Bank Austria und Wünstenrot, einen Beitrag leisten müssen. Fest steht nur, dass die Sparer keinen Schaden erleiden werden", meinte Jellasitz.

In der Sache selbst steht das Ergebnis der Kredit-Überprüfungen noch immer aus. Wie bereits berichtet, hat der Eigentümer der Baugesellschaft Howe, Gualterio Alejandro Hom-Rusch, mittels offensichtlich gefälschter Bilanzen der Bank Burgenland Kredite von dem Vernehmen nach rund 2,2 Milliarden Schilling herausgelockt und ist verschwunden.

Nunmehr wird er per internationalem Haftbefehl gesucht. Die Bank überprüft, inwieweit für den Kredit verpfändete Grundstücke werthaltig sind. Davon wird dann die endgültige Schadenshöhe abhängen, Experten gehen von bis zu zwei Milliarden Schilling aus. das Burgenland hat als Mehrheitseigentümer die volle Haftung für die Bank abgegeben, muss also im Insolvenzfall für alle Ausfälle aufkommen. Nachdem bereits mehrere Hom-Rusch-Firmen in Konkurs geschickt wurden, beantragte die Bank Burgenland am Donnerstag, auch gegen Hom-Rusch persönlich den Konkurs zu eröffnen (siehe auch nebenstehende Geschichte). Am Landesgericht Eisenstadt fanden am Donnerstag weitere Erhebungen statt.

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