WU-Brand: Polizeiakt umfasst schon zehn dicke Ordner

6. Juli 2006, 09:12
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40 Personen "durchleuchtet", noch keine echte Spur

Wien - Der Polizeiakt mit allen Beweismitteln und Untersuchungsergebnissen zur Brandstiftung im Hauptgebäude der Wiener Wirtschaftsuniversität (WU) umfasst schon zehn dicke Ordner. 40 Personen wurden seit dem Feuer, das am 14. Dezember 2005 die Biologie-Fachbereichsbibliothek in Schutt und Asche legte, näher "durchleuchtet". Eine echte Spur fehlt.

"Das Ende der Fahnenstange ist aber noch nicht erreicht", sagte Chefinspektor Armin Ortner, Leiter der Brandgruppe der Kriminaldirektion 1 (KD1), der APA. "Es tauchen immer noch neue Geschichten zu Ereignissen im Vorfeld auf. Wir erfahren über Streitereien oder nicht einvernehmliche Entlassungen und ähnliche Dinge, die als Motiv in Frage kommen könnten. Die Ermittlungen im personellen Umfeld laufen. Konkretes ist allerdings noch nicht dabei."

Zwei Beamte der Gruppe Ortner sind mehr als ein halbes Jahr nach dem Flammeninferno noch immer ständig mit dessen Aufklärung beschäftigt. "Es ist wie ein 10.000-Teile-Puzzle und viel kriminalistische Kleinarbeit." Auch DNA-Überprüfungen - von drei Personen wurde der "genetische Fingerabdruck" untersucht - haben nichts gebracht. In anderen Fällen war man erfolgreicher: Nach dem Großfeuer in einem von Philipswerk vermieteten Bürogebäude in Liesing etwa stand schnell fest, dass der Übeltäter ein Gerät in einem Labor für elektrotechnische Entwicklungen war.

Hutträgerin wird weiter gesucht

Weiter aktuell sind die beiden bisher nach dem WU-Brand veröffentlichten Bilder: Seit 20. Dezember 2005 wird nach einer vermutlich weiblichen Person gesucht, die von Überwachungskameras in der Nähe des Brandortes mit Schlapphut und Mantel aufgenommen wurde. Anfang März dieses Jahres wurde ein mit Hilfe eines Anrainers erstelltes Phantombild veröffentlicht, das die selbe Frau zeigen könnte. Die Identität des oder der Gesuchten ist laut Ortner völlig unklar.

Anonyme E-Mails, wie sie im Jänner für Aufregung sorgten, hat es seither nicht mehr gegeben. Den Verfasser von damals schätzen die Ermittler als jemanden mit Kenntnissen über die Verhältnisse an der WU ein, der aber über die Brandstiftung selbst nichts Genaues weiß. Überhaupt habe es beim WU-Brand eine außergewöhnlich hohe Dichte an "Hinweisen" gegeben, die sich als Wichtigmacherei herausstellten: "Weil der WU-Brand so medienträchtig und spektakulär war, ist er auch in dieser Hinsicht ein 'Spezialfall'", meinte der Chefinspektor. (APA)

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