Kanada: "Gefängnis" für "Problembären"

6. Juli 2006, 10:23
5 Postings

Eisbären, die sich in nordkanadische Stadt verirren, kommen während Sommermonaten in Spezialgehege

Ottawa - Die nordkanadische Stadt Churchill baut ihr "Gefängnis" für ungeliebte Einwanderer der besonderen Art aus: Künftig sollen 28 "Zellen" Eisbären aufnehmen, die sich während der Sommermonate in die Stadt verirren und sich nicht wieder vertreiben lassen.

Klimaanlage inklusive

Die Gäste sollen so lange in dem einzigen Eisbären-Gefängnis der Welt bleiben, bis sich auf der nahe gelegenen Hudson Bay wieder Eis bildet und sie in die Freiheit entlassen werden können, sagte Shaun Bobier vom Umweltschutzministerium der Provinz Manitoba. Neben der Errichtung von fünf neuen Zellen soll eine Klimaanlage eingebaut werden, um den Raubtieren den Aufenthalt angenehmer zu machen.

"Eisbären-Hauptstadt der Welt"

Die Stadt, die sich mit dem Beinamen "Eisbären-Hauptstadt der Welt" schmückt, hatte die Anlage 1980 eingerichtet, um den Tieren eine sichere Unterkunft zu geben, wenn sie sich vor der jährlichen Eisschmelze aufs Festland flüchten und dabei immer öfter in menschliche Ansiedlungen wandern und damit zur Gefahr werden.

Gefängniskost

Während ihres Aufenthalts bekommen die Eisbären nur Wasser und Eis zu fressen, um sicherzustellen, dass sie später nicht freiwillig zurückkommen, weil sie im Gefängnis auf Futter hoffen. Das sei absolut normal, betonte Bobier: In der Wildnis fressen sich Eisbären während des Winters an Robben dick und rund, den Sommer über zehren sie von ihrem Fettpolster.

Im vergangenen Sommer waren 58 Bären in der Anlage untergebracht, ein Jahr zuvor waren es 170 Tiere. Zum letzten Mal hatte ein Eisbär 1983 einen Einwohner von Churchill getötet. Zu Zwischenfällen kommt es allerdings häufiger. (APA/AFP)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Ein Eisbär im Naturschutzgebiet bei Churchill in Kanada am Rande der arktischen Tundra (Archivfoto vom 21.09.2004), wo auf jeden Einwohner zwei Eisbären kommen. Und die Eisbären werden immer hungriger - als Folge der Klimaerwärmung.

Share if you care.