Antipiraterie-Tool verwirrt AnwenderInnen

31. Juli 2006, 10:26
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Microsofts WGA telefoniert nach Hause und scheint nicht immer ganz den Durchblick zu haben

Das Antipiraterie-Tool Windows Genuine Advantage (WGA), welches Microsoft in sein Betriebssystem Windows XP integriert hat, sorgt für Verwirrungen unter den AnwenderInnen. So häufen sich Meldungen wonach legale Versionen der Software plötzlich selbiges nicht mehr sind.

Kommunikation

Windows Genuine Advantage (WGA) sollte eigentlich dafür sorgen, die Verbreitung von Raubkopien zu verhindern. Daher sucht das Tool Kontakt zu den Microsoft-Servern, um so die Echtheit des eingesetzten Windows bestätigen zu lassen. Laut einem Artikel der BBC häufen sich hierbei aber die Probleme.

Technische Probleme

Viele AnwenderInnen berichten von Problemen mit neuer Hardware und beim Einwählen ins Netz, seit WGA auf ihren Systemen läuft. Das Tool fordert die AnwenderInnen auf, ihren Freischaltcode für die Software einzugeben und überprüft dann, ob dieser schon in Verwendung ist. Sollte dies der Fall sein, wird den UserInnen ein Erwerb einer legalen Version ans Herz gelegt.

Analyse

Die Zeitschrift "PC Professionell" hat im Labor wurde der Datenverkehr genau analysiert: Die Echtheitsprüfung startet mit zwei Aktionen. Beim ersten Kontakt setzt die Webseite microsoft.com/genuine/replacement/bioslist2.xml ein Cookie. Dessen Inhalt ist verschlüsselt und kann somit vom Anwender nicht ausgelesen werden. Bei der zweiten Datenübertragung wird die Seite microsoft.com/genuine/replacement/index.xml aufgerufen, auf der allerdings nur Spracheinstellungen für das »WGANotify« zu finden sind, so dass deutsche Nutzer ohne gültigen Key auch einen Hinweis in deutscher Sprache sehen. Eine Übertragung von kritischen Daten müssen Anwender aber derzeit nicht befürchten.

Microsoft rudert zurück

Das neue WGA läuft im Moment noch im Testbetrieb. Als Reaktion auf die neue "Phone-Home-Funktion" kündigte das Unternehmen an, die häufige Kontaktaufnahme in den nächsten Updates schrittweise zurückfahren zu wollen. Von derzeit täglich über alle zwei Wochen bis zu gar keiner Online-Überprüfung, wenn das Tool fertig gestellt und weltweit verbreitet ist, hieß es. Der Sinn einer täglichen Verbindung zu den Microsoft-Servern ohne weitere Vorwarnung ist allerdings nach wie vor unklar. Laut Microsoft dient die Kontaktaufnahme dazu, WGA im Fehlerfall zu deaktivieren. Denn erste Nutzer von legal erworbenen Dell-PCs haben sich bereits über falsche WGA-Meldungen beschwert, die täglich auf dem Desktop erscheinen.

Ein großer Erfolg

Michala Alexander, Chefin der Antipiraterie bei Microsoft UK, meint gegenüber der BBC, dass es sich bei dem Tool um einen großen Erfolg im Kampf gegen die Piraterie handle. "Die KundInnen haben nach einem Tool verlangt, dass ihnen sagt, ob sie betrogen worden sind oder nicht", so Alexander. In England sollen rund 15 Prozent der eingesetzten Software Raubkopien sein, fand WGA heraus.

Illegal ist legal

Allerdings gesteht Alexander ein, dass es möglich sei, dass WGA auch legale Versionen als illegale erkennen würde. Dies käme dann zustande, wenn es eine unkorrekte Installation von XP gegeben habe oder die Rechner nach einer Reparatur eine neue Version von XP mit einem generischen Code aufgespielt bekommen haben. "Wir sind zu 100 Prozent sicher, dass alle Schlüsselcodes, die von WGA geblockt werden, illegal sind", so Alexander weiter. Einmal installiert checkt WGA die eingesetzte Software in regelmäßigen Abständen.(red)

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