Viel Geld aus der Untergrundökonomie

27. Juli 2006, 14:21
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Bis zu 1,6 Billionen Euro werden jährlich weltweit mit Geldwäsche erwirtschaftet - Österreich ist eine "Insel der Seligen"

Linz - Neben der "offiziellen" Wirtschaft existiert die so genannte "Untergrundwirtschaft" ("Kriminelle Wirtschaft"). Sie versucht mit unterschiedlicher Intensität die Rahmenbedingungen des Wirtschaftens zum eigenen Vorteil zu umgehen, lautet die Experten-Erklärung, des Linzer Volkswirtschaftsprofessors Friedrich Schneider, der sich seit geraumer Zeit dem Thema Geldwäsche widmet. Geschieht dies "in großem Stil" und unter straffer organisatorischer Disziplinierung vieler Akteure, spricht man von "organisierter Kriminalität".

Beachtlicher Anteil am Welt-BIP

Die Umsätze, die jährlich weltweit mit Geldwäsche erwirtschaftet werden, sind beachtlich und schlagen mit bis zu 2,1 Billionen Dollar (1,6 Billionen Euro) zu Buche. Das sind laut Schneider 3 bis 5 Prozent des Welt-BIP. Österreich spiele dabei allerdings nur eine Nebenrolle, so der Experte. Im Vorjahr seien von 417 Mio. Euro an "verdächtigen Transaktionen" 99,3 Mio. eingefroren worden. "Österreich ist als Finanzplatz zu klein und unbedeutend" bestätigt Schneider im Gespräch mit derStandard.at. Italien, Schweiz, Großbritannien seien die begehrten "Waschplätze" in Europa. "Wir sind international gesehen ein kleines Durchgangsland, quasi eine Insel der Seligen, wobei uns vor allem die so genannte Ost-Mafia als Drehscheibe benutzt."

Deutlicher Anstieg

Die Summe des "kriminellen Cash-Flows" habe in Österreich laut Schneider insgesamt 843 Mio. Euro ausgemacht. Das sei dennoch ein deutlicher Anstieg gegenüber 80 Mio. Euro vor zehn Jahren. Zum Vergleich: In Deutschland habe sich der "kriminelle Cash-Flow" im Vorjahr auf 7,2 Mrd. Euro belaufen. "Immer noch eine vergleichsweise harmlose Summe", so Schneider zum derStandard.at. "Über das Thema Geldwäsche weiß man ingesamt leider der wenig" begründet der Volkswirtschafter sein Engagement. Die EU will jedenfalls eine Taskforce zur Bekämpfung der illegalen Transaktionen ins Leben rufen. Das Zahlenwerk, das Schneider erhoben hat, soll Brüssel helfen, Licht ins Dunkel der Ströme bringen.

Geld waschen

Der Begriff stammt laut der Studie ursprünglich aus den USA und bezeichnete den Versuch der Mafia, illegales Geld mit Hilfe von Waschsalons "reinzuwaschen". Die Studie beschäftigt sich überdies mit den Methoden, die dabei zur Anwendung kommen, wie hoch die Volumina ausfallen und welches die Auswirkungen sind. (APA/red)

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