UniCredit fordert von HypoVereinsbank bessere Ergebnisse

27. Juli 2006, 15:25
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Profumo: Personalreduktion ist für UniCredit-Gruppe "ein ganz wichtiger Punkt" - Eigene Österreich-Bank nicht vor März 2011

München - Die italienische Großbank UniCredit, Mutter der Bank Austria Creditanstalt (BA-CA), hat am Mittwoch bei einer Investorenkonferenz in München den neuen Dreijahresplan der Gruppe vorgelegt. Um den Gewinn zu steigern, setzt UniCredit-Chef Alessandro Profumo auf eine Doppelstrategie: Zum einen sollen die Erträge durchschnittlich um acht Prozent steigen, daneben sollen die Kosten unter Kontrolle gehalten werden, u.a. durch Personalabbau. Eine starke Ergebnisverbesserung fordern die Italiener von ihrer neuen Tochter HypoVereinsbank.

Was die Gewinnsteigerung betrifft, setzt UniCredit unter anderem auf die Wachstumsmärkte in Osteuropa sowie auf das Firmenkundengeschäft und das Investmentbanking. Der Gewinn je Aktie von zuletzt 0,32 Euro solle bis 2008 um jährlich etwa 27 Prozent steigen, sagte Profumo. Dabei bekräftigte er für das kommende Jahr das Ziel von 0,56 Euro je Aktie.

Arbeitsplatzreduktion

Um die Kosten zu senken, sollen im Rahmen bereits verkündeter Sparprogramme 11.850 Arbeitsplätze im Konzern gestrichen werden. "Das ist ein ganz wichtiger Punkt für uns", betonte Profumo. Der Großteil des Personalabbaus werde in Polen erfolgen. Dort werden die bisherige Unicredit-Tochter Pekao und die BA-CA-Tochter BPH zusammengelegt. Der Fusion haben die polnischen Behörden nur mit der Auflage zugestimmt, dass die 200 BPH-Filialen verkauft werden - der Verkauf dieser Zweigstellen und die Fusion werden laut Profumo zu einem Personalabbau in Polen um rund 5.000 Posten führen. Allerdings soll dieser Personalabbau durch insgesamt rund 5.000 Neueinstellungen in Wachstumsbereichen, etwa in Mittel- und Osteuropa, zum Teil ausgeglichen werden.

Bei der geplanten Übertragung der BA-CA-Anteile von der HVB zur UniCredit wollen die Italiener die HVB nach Angaben aus Finanzkreisen mit einer Milliardensumme stärken. "Die HVB wird einen Gutteil des Kapitalbetrages nutzen können, um in Deutschland zu wachsen", sagte eine mit dem Vorgang vertraute Person am Mittwoch. Die Kapitalbasis der HVB werde entsprechend gestärkt. Eine Sonderausschüttung aus dem Veräußerungsgewinn der Bank Austria an die HVB-Aktionäre - also zu 94 Prozent zurück an UniCredit - sei nicht notwendig.

Zusammenführung bis Ende 2007

UniCredit-Chef Profumo sagte heute in München lediglich, die gesamte Zusammenführung einschließlich der Übertragung der Bank-Austria-Anteile solle bis Ende 2007 abgeschlossen sein. Bis dahin sollen auch die Investmentbank-Einheiten, die von der HVB in München aus gesteuert werden, in einer rechtlich selbstständigen Einheit zusammengeführt werden.

Auch die Fusion der Tochterbanken in Mittel- und Osteuropa will man bis Ende 2007 abgeschlossen haben. Die Polen-Tochter Pekao soll künftig direkt von der UniCredit aus Mailand gesteuert werden - alle übrigen Märkte in Mittel- und Osteuropa soll die BA-CA unter ihre Fittiche nehmen. Ob auch die BA-CA auch die Türkei und die Ukraine bekommt, ist derzeit noch offen " was die Türkei betrifft, gehe er jedoch davon aus, "dass das passieren wird", sagte Profumo.

Die Ausgliederung des Österreich-Geschäfts der BA-CA soll "nicht vor März 2011" erfolgen. Das Investmentbanking von HVB und BA-CA wird zunächst zur HVB kommen, langfristig sei aber die direkte Kontrolle durch UniCredit geplant, heißt es. Das Asset Management von HVB und BA-CA soll in eine eigene Division ausgelagert werden

Ergebnisverbesserung

Von ihrer neuen Tochter HypoVereinsbank fordert UniCredit starke Ergebnisverbesserungen in den nächsten Jahren. Die Eigenkapitalrendite vor Steuern solle im Deutschland-Geschäft bis 2008 von zuletzt etwa 6 auf 17 Prozent fast verdreifacht werden, sagte Profumo. Dabei setzt die HVB auf den angekündigten Abbau von Arbeitsplätzen und ein starkes Wachstum der Erträge.

Die Partner wollen sich zudem nach Zukäufen in Deutschland umschauen. Im Bieterwettbewerb um die Berliner Bank hatte die HVB gegenüber der Deutschen Bank den Kürzeren gezogen. HVB-Chef Wolfgang Sprißler betonte, es sei trotz der strengen Vorgaben aus Mailand kein zusätzlicher Stellenabbau geplant. Im Zuge der Fusion war der Abbau von nochmals 1.800 Arbeitsplätzen angekündigt worden. Sprißler und Profumo ließen offen, was passiert, wenn die HVB ihre Erträge in den nächsten Jahren nicht so stark steigern kann, wie es die Pläne vorsehen. "Ich bin sicher, dass die HVB ihre Ziele erreichen wird", sagte Profumo dazu.

Notleidende Kredite

Profumo machte auch deutlich, dass UniCredito die Summe notleidender Kredite im Konzern weiter abbauen wolle. Ein Verkauf eines weiteren Portfolios sei aber wahrscheinlich in diesem Jahr nicht mehr möglich. Der für das Risikomanagement der UniCredito-Gruppe verantwortliche Henning Giesecke sagte allerdings auf der Konferenz, der in einer speziellen Restrukturierungseinheit gebündelte Bestand an notleidenden Krediten der Münchener HVB solle von derzeit 7 Mrd. Euro bis zum Jahresende auf etwa 5 Mrd. Euro abgebaut werden.

Der frühere HVB-Chef und jetzige Verwaltungsrats-Vorsitzende bei UniCredit, Dieter Rampl, zog bereits eine positive Zwischenbilanz. Noch sei nicht alles perfekt. "Die neue Bankengruppe ist aber gut vorbereitet auf die Herausforderungen der Zukunft." Die neue UniCredit kommt auf 28 Millionen Kunden und sieht sich mit einer Marktkapitalisierung von etwa 66 Mrd. Euro als Nummer drei in der Eurozone.

Privatkunden-Vorstand Roberto Nicastro erklärte, er erwarte "radikale Verbesserungen" in Deutschland. Die HVB habe eine starke Kundenbasis, müsse diese aber noch besser ausnützen zum Beispiel für den Vertrieb von Finanzprodukten. Zudem müssten die Kosten auf ein branchenübliches Niveau gedrückt werden. Sprißler bekräftigte das Interesse an Zukäufen. "Wir sehen seit einiger Zeit jede sich bietende Gelegenheit an." Laut Branchenkreisen ist die HVB unter anderem an der Übernahme der Filialen der Norisbank interessiert, die früher schon einmal zur HypoVereinsbank gehörten.

Der aktuelle Wachstumsplan basiere jedoch alleine auf organischem Wachstum, betonte Profumo " "man kann Akquisitionen nicht planen. Aber wir haben einen riesigen Cash-flow und sind bereit, wenn sie eine Gelegenheit ergeben sollte. Wir können uns leisten, was wir wollen", so der UniCredit-Chef. (APA)

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