Israel verschärft nach Raketenangriff Gaza-Offensive

7. Juli 2006, 12:49
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Sicherheitskabinett stimmt Vormarsch von Bodentruppen in bewohnte Gebiete zu - Hamas-Vertreter getötet

Israel weitete Militäroffensive im Gazastreifen aus Panzer beziehen Stellung bei geräumten Siedlungen Gaza - Nach dem palästinensischen Raketenangriff auf die israelische Großstadt Ashkelon hat Israel wie angekündigt seine Militäroffensive im nördlichen Gazastreifen ausgeweitet.

Wie Augenzeugen am Mittwoch berichteten, bezogen mehrere Panzer Stellung in den ehemaligen israelischen Siedlungen Elei Sinai und Nissanit. Die Siedlungen waren im vergangenen Jahr von Israel im Rahmen des Abzugs aus dem Gazastreifen geräumt worden. Palästinensische Extremisten hatten die Rakete auf Ashkelon Augenzeugenberichten zufolge am Dienstag von Elei Sinai aus abgeschossen. Es war das erste Mal, dass eine israelische Großstadt von einer Rakete getroffen wurde. Verletzt wurde beim Einschlag des Geschosses auf einen Schulhof in der 115.000 Einwohner zählenden Stadt niemand.

"Spielregeln ändern"

Die israelische Armee äußerte sich zunächst nicht. Wenige Stunden zuvor hatte der israelische Ministerpräsident Ehud Olmert jedoch bereits eine Ausweitung des Einsatzes gegen die Hamas-Regierung befohlen. Angesichts der Raketenangriffe und der Entführung des israelischen Soldaten "müssen die Spielregeln im Umgang mit der Palästinenser-Behörde und der Hamas geändert werden", hieß es in einer Erklärung des Ministerpräsidenten-Amtes.

Israel hat angedeutet, Anführer der regierenden Hamas gezielt zu töten, sollte der entführte Soldat Gilad Shalit nicht freikommen. Shalit war am 25. Juni von militanten Palästinenser-Gruppen, darunter auch dem bewaffneten Arm der Hamas, entführt worden. Die USA forderten die radikal-islamische Hamas am Mittwoch eindringlich zur Freilassung Shalits auf. Es sei "höchste Zeit", sagte Außenministerin Condoleezza Rice. Die USA haben in der Krise bisher alle Parteien zur Zurückhaltung aufgerufen und auf eine Ende der Geiselnahme gedrängt.

Hamas-Vertreter getötet

Bei einem israelischen Luftangriff im Gazastreifen ist in der Nacht zu Donnerstag ein weiterer Aktivist des bewaffneten Arms der Hamas getötet worden. Drei weitere Menschen wurden laut Ärzten bei dem Angriff im Gebiet von Sudaniya nördlich von Gaza verletzt worden. Bei einem israelischen Granatenangriff auf ein Polizeirevier starb ein Polizist und elf Menschen wurden verletzt.

In den frühen Morgenstunden rückte das israelische Militär mit weiteren Panzern und gepanzerten Fahrzeugen weiter in den nördlichen Gazastreifen vor. Mit der Offensive will das israelische Militär auch den Beschuss israelischer Grenzorte durch selbst gebaute palästinensische Kassam-Raketen unterbinden. Am Dienstagabend war eine solche Kleinrakete im Zentrum der Küstenstadt Ashkelon und damit erstmals in einer größeren israelischen Stadt eingeschlagen. Der militärische Hamas-Arm Ezzedin-al-Kassam-Brigaden bekannte sich zu der Tat, bei der eine Schule getroffen, aber niemand zu Schaden gekommen war. Am Mittwochabend schlugen nach Angaben des israelischen Militärs zwei weitere Kassam-Raketen auf einem Feld und in einem Industriegebiet der Stadt ein. Berichte über Opfer lägen nicht vor, sagte ein Sprecherin.

Das so genannte Sicherheitskabinett um Israels Regierungschef Olmert hatte zuvor neue Einsätze gegen die regierende Hamas-Bewegung im Gazastreifen und Westjordanland beschlossen. In einer Mitteilung von Olmerts Büro war von der Einführung neuer "Spielregeln" in der Region die Rede. Der engste Ministerkreis habe eine "lang andauernde, in Stufen verlaufende Militäroperation" im Gazastreifen und Westjordanland gebilligt. (APA/Reuters)

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