Offen und radikal zugleich

10. Juli 2006, 17:12
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Der Wahlaufruf der KPÖ trägt einen steirischen Stempel

Graz/Wien - "Wir sind eine offene Partei", betonte der Vorsitzende der steirischen KPÖ, Franz Parteder, als er parteiexterne Kandidaten, wie etwa Katholiken und Grüne auf der Landesliste für die Nationalratswahlen präsentierte. Wenn Parteder "wir" sagt, meint er die Steirer, die seit Jahren ihr eigenes Programm fahren - teils in Opposition zur Bundespartei.

Dieses besteht nicht nur aus der Wohnungspolitik eines Ernest Kalteneggers, sondern unterscheidet sich auf dem Papier durch eine "strengere Haltung" in prinzipiellen Fragen - wie etwa der EU. Die Steirer wollen aus ihr heraus, auch wenn das "derzeit kein Thema ist", wie Parteder einräumt. Die Wiener hingegen wollen sie "von innen heraus verändern", wie zuletzt Überraschungskandidat Kurt Palm meinte. Doch im aktuellen Wahlaufruf setzten sich die Steirer durch - er ist fast ident mit dem der vorjährigen Landtagswahl und verlangt "soziale und wirtschaftliche Alternativen" zur EU. Auch die Weigerung der Steirer, auf der Bundesliste zu kandidieren, wurde akzeptiert.

"Radikal" zum Erfolg

Was dabei überraschen könnte: Die radikalere Landespartei hat seit Jahren Erfolge, von denen die Bundespartei mit ihrem neuen Vorsitz-Duo Mirko Messner und Melina Klaus nur träumen können: zwei Stadträte in Graz und vier Abgeordnete im Landtag. Hanno Wisiak, der für den KSV in der Grazer ÖH sitzt, sieht keinen Widerspruch: "Die KPÖ Steiermark, die sich dem weltanschaulichen Ausverkauf verweigert hat und auf einem soliden marxistischen Fundament steht, zieht viel mehr kritische und fortschrittliche Menschen an".

Einer dieser Menschen ist Wisiaks Vater, Hanno Wisiak sen., Initiator der grenzüberschreitenden Murecker Schiffmühle und einst Grünen-Gemeinderat im südsteirischen Mureck. Jetzt kandidiert er für die KPÖ. "Ich bin kein KPÖ-Mitglied, aber ein Fan der KPÖ Steiermark", erklärt er dem STANDARD und setzt schnell nach: "Nicht der Bundes-KPÖ". Bei den Grünen habe ihn die zunehmende "Anbiederung an die schwarze Reichshälfte abgestoßen". Dass Wisiak und zwei weitere Ex-Grüne nun für die Landes-KPÖ antreten, ist für den Geschäftsführer der Landes-Grünen, Martin Hochegger, "nicht nachvollziehbar". (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, Print, 5.7.2006)

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