Leere Straßen - leere Kassen

6. Juli 2006, 09:01
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Wiederbelebungsversuche die Linzer Innenstadt - mit Einkaufsstraßenberaterin

Linz - Nochmals 37.000 Quadratmeter Einkaufen ohne Ende vor den Toren von Linz. Im September eröffnet das neue, vergrößerte Einkaufszentrum in Haid. Nach Uno-Shopping (ebenfalls 37.000 Quadratmeter) und Plus-City (68.000 Quadratmeter) eine weitere Konkurrenz für die Linzer Geschäfte. Schon jetzt läuft der Laden alles andere als gut, der Speckgürtel rund um die oberösterreichische Landeshauptstadt ist hingegen stetig am Wachsen.

Laufend weniger Passanten

Um künftigen Kaufkraftabfluss zu verhindern, wurde per 1. Juli für Linz eine eigene Einkaufsstraßenbetreuerin eingesetzt. Brigitte Adam soll sich um die "Sorgenkinder" kümmern. Dazu zählt etwa die Hauptstraße im Stadtteil Urfahr. Das Institut "Infrapool" erhebt für die Wirtschaftskammer regelmäßig die Besucherfrequenz der Einkaufstraßen von Linz. Die Entwicklung für jene in Urfahr geht deutlich zurück. Voriges Jahr wurden dort pro Woche nur mehr durchschnittlich 40.300 Passanten gezählt, im Jahr davor waren es noch 51.000.

Aufgabe der Einkaufsstraßenbetreuerin werde es sein, die Bewohner der Stadtteile dazu zu bringen, "bei sich daheim vor der eigenen Haustüre einzukaufen", erklärt Thomas Denk, Leiter der Bezirksstelle Linz-Stadt der Wirtschaftskammer Mindestens zwei Anrainerfeste im Jahr will Adam deshalb zur besseren Kundenbindung mit den örtlichen Wirtschaftstreibenden und Vereinen auf die Beine stellen. Denn obwohl der Branchenmix in Urfahr passe, fahren viele lieber in die Shopping-Citys, sagt Denk.

Triste Herrenstraße

Nicht minder trist sieht die Situation in der Innenstadt aus. Zwar ist die Fußgängerzone durch die Landstraße ein Kundenmagnet. Mittlerweile rangiere sie laut Infrapool nach der Wiener Mariahilfer Straße (Wochenfrequenz 269.300) auf Rang zwei der österreichischen Einkaufsmeilen. 237.400 Fußgänger pro Woche wurden 2005 ermittelt. Doch schon wenige Meter abseits der Landstraße sind die Straßen fast leer. So verirrten sich in die Herrenstraße gerade einmal 15.900 Passanten.

"Die Kunden sind bequem geworden", analysiert Denk. Sie suchen möglichst kurze Wege, deshalb werde die Hauptfrequenzstraße nicht verlassen. Von dieser Laufkundschaft können die Seitenstraßen nicht leben. Vielmehr müssen sich dort weiterhin Spezialgeschäfte mit Stammkunden etablieren. (Kerstin Scheller, DER STANDARD Printausgabe, 05.07.2006)

  • Albtraum für Geschäftsbesitzer: In der Linzer Herrenstraße kommt nur selten jemand vorbei
    foto: stadt linz

    Albtraum für Geschäftsbesitzer: In der Linzer Herrenstraße kommt nur selten jemand vorbei

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