Marken, Motoren und Konzerne

21. Juli 2006, 12:11
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Quer über die Kontinente wird getauscht - nicht immer mit Erfolg

Wer in das Saab Cabrio 1,9 TiD einsteigt, fährt mit einem Opel-Motor. Der findet sich auch im Astra, im Vectra, dem Zafira und dem Signum. Den 2,8 Turbo teilen sich Saab 9-3 und Opel Vectra. Chrylser und Mercedes teilen sich die Motoren, ebenso Renault und Nissan, immerhin bleiben die Motoren aber innerhalb eines Konzerns. So ist es auch beim VW-Konzern: Der immer gleiche 1,9 TDI findet sich etwa bei Seat, VW, Skoda und Audi.

Über die Konzerngrenzen hinaus werden die Motoren von PSA, dem Zusammenschluss von Citroen und Peugeot, verteilt. Nicht nur, dass man hier untereinander die Motoren ausleiht, gibt es auch Kooperationen mit Ford, Toyota und BMW. Der kleine 1-Liter 3 Zylinder-Motor von Toyota findet sich nicht nur im Aygo, sondern auch im Citroen C1 und im Peugeot 107. Der 1,6 Liter Diesel wird bei gleichermaßen bei Ford, Citroen und Toyota verbaut, ebenso wie der 2,7 HDI. Und ab September kommt eine neue Kooperation zum Tragen: BMW , Citroen und Peugeot haben gemeinsam neue Motoren von 75 bis 170 PS entwickelt, die bei allen drei Marken zur Anwendung kommen sollen. Für den Mini hat BMW dagegen wieder bei Toyota eingekauft.

Diese Beispiele lassen sich quer über die Marken, die Konzerne und Kontinente fortsetzen. Ein besonders krasser Fall: Der 3,2 V6 von Holden, eine australische Tochter von General Motors, findet sich sowohl im flotten, italienischen Alfa Brera als auch im biederen, koreanischen Chevrolet Captiva.

In Sachen Profitabilität zeigt die Autobranche ein sehr unterschiedliches Bild: Nach landläufiger Meinung funktioniert es nach der Formel "Je teurer die Autos, umso höher ist der Gewinn". Sieht man in die Bilanzen von Porsche oder Ferrari, wird dies auch eindeutig bestätigt. Mit zuletzt 88.400 verkauften Fahrzeugen produzierte beispielsweise der Zuffenhausner Sportwagenhersteller 1,24 Milliarden Euro Gewinn - was die Eigentümerfamilien Porsche und Piech soweit brachte, sich auch als Retter beim vel maroderen Volkswagen-Konzern zu engagieren. VW, größter Hersteller Europas mit einer Jahresproduktion von 5,2 Millionen bei einem Gewinn von lediglich 1,72 Milliarden Euro, muss die Kernmarke sanieren, Seat neu positionieren und mittlerweile von den Gewinnen der Töchter Audi und Skoda sowie der Finanzsparte leben.

Dass man aber auch als Massenhersteller höchst profitabel sein kann, zeigt Toyota vor: Die Japaner produzierten zuletzt 6,7 Millionen Fahrzeuge und lukrierten daraus satte 11,8 Milliarden Euro Gewinn. Eine fast so hohe Summe hatte auch GM in der Bilanz stehen, allerdings als Verlust. (Leo Szemeliker, Michael Völker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.7.2006)

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