Königliche Salatschüssel

12. Juli 2006, 10:50
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Neumeister versteigerte in München ein Service von König Ludwig III.

In den knapp 90 Jahren seiner Existenz speisten die Durchlauchten nur viermal vom für 36 Personen vorgesehenen und insgesamt 290 Teile umfassenden Bayerischen Königsservice. Hergestellt wurde es 1917/18 in der Nymphenburger Porzellanmanufaktur anlässlich der Goldenen Hochzeit König Ludwig III. und seiner Ehefrau Marie Therese Henriette Dorothea Erzherzogin von Österreich-Este.

Am 28. Juni gelangte dieser exquisite, auf ein siebengängiges Menü ausgelegte Hausrat bei Neumeister in München zur Versteigerung. Das Besondere an dem Service? Abgesehen von den für das Haus Wittelsbach typischen Farben Blau und Gold in den Randdekors war die hier verwendete zwölfeckige Form ausschließlich für den Hof reserviert und war erst im Jahr 1900 für die Weltausstellung in Paris freigegeben worden.

Schließlich beziehen sich alle hier dargestellten Motive auf die wichtigsten Stationen im Leben des Jubelpaares – und zwar sowohl als "Singles" als auch als Paar. Unter den Landschafts- und Architekturdarstellungen aus dem Königreich Bayern sowie aus Österreich-Ungarn finden sich zahlreiche Wiener Motive, die von Wilhelm Böhme und Gustav Unger mit präziser Pinselführung eingefangen wurden: das Burgtor, die k. k. Reitschule, das Helenenschloss bei Baden und das Belvedere auf Desserttellern sowie die Hofburg, das Palais Erzherzog Albrecht, das Palais Modena und ebendort die Gartenanlage auf den Wandungen einer – Salatschüssel.

Ehemals hatten die Kinder des Königspaares und deren Gefolge 7389 D-Mark für das Service sowie 954 für 36 passende Mokkatassen bezahlt. Jetzt wurden die in 85 Tranchen unterteilten Posten von 326 Unikaten zuerst einzeln aufgerufen. Besonders begehrt waren Lose mit Darstellungen von Ansichten aus München und dem Umland. Die stärkste Nachfrage verbuchte mit 11.000 Euro eine ursprünglich auf 4000 Euro taxierte Terrine mit Abbildungen von Wildenwart und Umgebung.

Anschließend wurden die Einzelgebote addiert und en bloc angeboten. Heimische Sammler und eine Schweizer Telefonbieterin hatten dank des Gebotes der Geschäftsführung der Nymphenburger Porzellanmanufaktur schnell das Nachsehen: 230.000 Euro netto (320.000). (kron/ DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2006)

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