Italiener als Liebkind der Auktionshäuser

12. Juli 2006, 10:50
posten

Auktionshäuser Dorotheum und im Kinsky 2005/06: Ein Zuschlagsrekord jagte den anderen

Im Jahr 2005 jagte ein Zuschlagsrekord den anderen – und auch im ersten Halbjahr 2006 musste man sie nicht missen. Die heimischen Auktionshäuser Dorotheum und im Kinsky ziehen guter Dinge Zwischenbilanz.


Wien – Ob man am Ende der Saison neuerlich Rekordumsätze verbuchen wird, auf solche Prognosen will sich naturgemäß keiner einlassen. Gleichzeitig sprechen die Zahlen für sich. Im Palais Kinsky beziffert man den Zuwachs mit 13 Prozent, dahinter steht der in zwei Auktionen zusammengeklopfte Gesamtumsatz von 7,8 Millionen Euro.

Auch das Dorotheum schnitt nach seinen ersten beiden Auktionswochen besser ab: 2005 summierten sich die Bruttozuschläge auf 15,2 Millionen Euro, wovon allein die Sammlung Lill 3,9 Millionen beitrug. 2006 vermeldete man im Anschluss an die erste Auktionswoche einen Umsatz von 8,1 Millionen (2005: 6,5 Millionen), nach dem zweiten Hammerreigen schließlich die stolze Gesamtsumme von 16,49 Millionen Euro.

Natürlich, diese Zahlen lassen auf verstärkte Kauflust schließen. Aber wie lockt man, wenn das internationale Angebot nur einen Klick oder einen Anruf entfernt ist? Mit der passenden Auswahl. Zumindest im Kinsky kann man dies belegen. Gegenüber den Vorjahren wurde nicht nur die Zusammenstellung der Sparten geändert, sondern diese vor allem um Gemälde Alter Meister ergänzt.

Auch im Dorotheum sind Alte Meister der mit Abstand stärkste Umsatzlieferant: Seit Anfang des Jahres spielte man 6,24 Millionen Euro ein und notierte im April das höchste Ergebnis in der Geschichte des Hauses (5,22 Millionen). In der Liste der zehn höchsten Zuschläge des ersten Halbjahres musste sich die 696.000 Euro teure Dorflandschaft mit Suche nach der Herberge von Pieter Brueghel d. J. nur dem Totentanz von Albin Egger- Lienz (912.000 Euro) geschlagen geben.

Cash mit Alten Meistern

Insgesamt erfreut sich die Sparte Alter Meister aber auch an der Freyung wachsender Beliebtheit. Die beiden höchsten Preise – knapp 149.000 Euro für Jan van Goyens Stadtlandschaft mit Fluss sowie rund 106.000 Euro für die aus dem Umkreis von Giovanni Bellini stammende Madonna mit Kind – verdankt man Bietern aus Deutschland.

Die absatzmäßig Eifrigsten sind allerdings südländischer Provenienz: "Seit Anfang des Jahres haben Italiener im Kinsky im Wert von 1,84 Millionen Euro eingekauft", merkt Otto-Hans Ressler an. Jene, die sich Rechnungen an Adressen in der Schweiz oder in England schicken lassen, noch gar nicht inkludiert. Auch den höchsten Zuschlag des ersten Halbjahres, 200.000 Euro für Auguste Renoirs Paysage d'Essoyes, bewilligte ein Bieter aus Italien.

Bei genauerem Blick haben sich Verhältnismäßigkeiten in Sachen Internationalität auch in anderen Sparten erfreulich verlagert. Antiquitäten werden zunehmend von Käufern aus dem Ausland erworben. Und das öfter zu deutlich höheren Preisen, als die Schätzwerte hätten hoffen lassen. Ressler liefert dazu den Einblick: "Ein Paar Wiener Kandelaber wechselte für das Zehnfache der Schätzung nach England, eine Sitzgruppe nach Paris, ein Groteskenhelm um ein Mehrfaches der angesetzten Taxe nach New York, zwei wertvolle Tapisserien nach Italien."

Und manchmal weiß der hiesige Auktionsmarkt gerade mit Spezialitäten zu verführen: Etwa bei Ölgemälden des 19. Jahrhunderts, wo Adrien Moreaus Tanzende Zigeunerinnen eine stattliche Anzahl an Verehrern lockte, die die ursprüngliche Schätzung von 25.000 bis 30.000 Euro schnell überstiegen. Erst bei 220.000 Euro und damit dem höchsten jemals für ein Moreau-Gemälde erzielten Zuschlag wechselte das 1877 entstandene Bild nach Großbritannien.

In der Sektion Memorabilien, im Rahmen der Kaiserhausauktion, verstand man im April eine neue Käuferschicht zu locken. Wie im Falle des 60 Teile umfassenden Thun-Porzellanservices aus dem Besitz Kaiserin Elisabeths. Für eine Taxe von 16.000 bis 22.000 Euro verführte es den Tafelspitz-Spezialisten Plachutta zu einem Meistbot von 45.000 Euro (brutto 54.000 Euro). (Olga Kronsteiner/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6.7.2006)

  • Einen deutschen Käufer fand die "Madonna mit Kind" aus dem Umkreis von Giovanni Bellini im Kinsky bei 106.140 Euro.
    foto: im kinsky

    Einen deutschen Käufer fand die "Madonna mit Kind" aus dem Umkreis von Giovanni Bellini im Kinsky bei 106.140 Euro.

Share if you care.